Unwetter am 14./15. September 2006 über Korsikas Ostküste

    • Offizieller Beitrag

    Hallo zusammen,


    ich bin vorgestern von der Insel zurückgekommen und habe somit das tagelang eindringlichst vorhergesagte Unwetter miterlebt.
    Vorab: meiner Info nach gab es nur eine Tote wg. Aquaplanings in Nähe , die Bergwanderer (GR20!) scheinen alle die Wettervorhersage berücksichtigt zu haben, über von mir dort befürchtete Todesfälle wurde meiner Kenntnis nach bis jetzt nichts berichtet.


    - Zunächst meine eigenen Erlebnisse:


    "Torrents d'eau sur l'Île et scènes de panique" (Schlagzeile 15.9.06):


    Ich habe das Unwetter in der Nacht auf den 14.9. auf dem [definition=23]Rosumarinu[/definition] oberhalb von [definition=6]Solenzara[/definition] in deren Tal (also unterhalb der Bavella) miterleben dürfen. Kurz vor Mitternacht war es dann wirklich da!
    Dort waren es ja "nur" 400mm Niederschlag innerhalb von 4h oder 5h, in Nähe sogar 426mm!
    n///briid Zum Vergleich: in DE macht die Presse ja schon Aufhebens um 70 oder gar 90mm Niederschlag in 24h und deklariert es als "Jahrhundert-Unwetter"!
    Es war schwer zu entscheiden, was lauter war: der Donner des Gewitters (ca. 4h) oder das Trommeln des Regens auf dem Hochdach meines VW T3. Auf jeden Fall habe ich noch nie so ein Unwetter erlebt! Eigentlich ließen sich nicht mehr einzelne Tropfen unterscheiden, sondern es war ein durchgängiger Wasserschwall während ca. 2,5h ...
    Als der Regen etwas nachließ und wieder an Schlafen zu denken war, weckte uns der Patron durch Klopfen: er hatte Angst, dass sein weggeschwemmt würde. Die [definition=6]Solenzara[/definition] war binnen 3h um etwa 5m gestiegen und stand in diesem Moment etwa 1m unterhalb der Oberkante der Prallwälle am oberen Ende des .
    Kurzes Nachdenken/Abschätzen meinerseits: "dickste" Niederschlage vor 5h, Ablauf bei diesem kurzen Tal ca. 3-4h: das muss der Höchststand sein! Und es war dann auch wirklich der Höchststand.


    Nach zwei Stunden kamen auch die ersten beiden Autos von [definition=6]Solenzara[/definition] hoch (incl. offiziellem "Schipp-Dienst"), damit war klar, dass die Straße wenigstens abwärts befahrbar war (Strom/Wasser/Telefon/Handy-Netz gab es ja nicht mehr, daher war keine Info möglich). Abfahrt nach [definition=6]Solenzara[/definition] daher ohne Problem (man musste nur kleineren Erdrutschen ausweichen).
    Die Straße zum Bavella-Pass von diesem aus nach oben ist lt. vom 16.9. wohl noch länger gesperrt.


    Sehr beeindruckend die Fahrt am "Tag danach" (also am 14.9.) auf der N198 von [definition=6]Solenzara[/definition] nach Casamozza bei immer noch strömendem Regen (in DE würde man wahrscheinlich eher von "Wolkenbruch" sprechen): auf kompletter Linie "Land unter".
    Jeder Feldweg nur noch mit Kajak zu befahren, jede Senke der Straße führt durch einen vorher nicht vorhandenen Bach, bei den "offiziellen" Bächen/Flüßen ist jedesmal die Frage: fließt das Wasser vorwiegend unterhalb oder oberhalb der Brücke?


    Daher auch zwei neue Erlebnisse für mich:
    - noch nie vorher habe ich meinen VW T3 mit Bugwelle ab Stoßstange gefahren
    w)acko - noch nie vorher musste ich Treibholz ausweichen ("Vorsicht!! Schräg Backbord kommt ein Baumstamm!")


    Der Kommentar eines Tankstellenbetreibers zwischen [definition=16]Ghisonaccia[/definition] und Aleria auf meine Frage, ob das Wetter für die Jahreszeit typisch wäre: "Naja, ist halt eine Regenfront, morgen scheint wieder die Sonne!" Und draußen schoß das Wasser 50-60cm hoch die Straße abwärts. Wenn das kein Korse war ...


    Der Nordhang an der Abzweigung in Casamozza nach /Ponte Leccia war ein etwa 200m breiter Wasserfall, 5 Motorradfahrer standen ratlos da, der Kreisverkehr war ein für sie unbefahrbarer Strudel geworden, und neben der Fahrbahn gab's nur noch mehr Schlamm und Geröll ... 5km weiter nach Westen war die Landschaft trocken wie zuvor ... und sicherte uns zwei friedliche Abschlusstage (im Osten schüttete es weiter!)


    hat sehr ausführlich am 15./16.9. über die Lage berichtet. Die Seiten über Aleria/[definition=16]Ghisonaccia[/definition] habe ich leider auf der Fähre anderen Urlaubern vermacht, die in Aleria evakuiert wurden. Die Infos sind leider nicht online verfügbar.
    Ich habe lediglich noch die Seiten 1-3 vom 15.9. und die Seiten 1+2 vom 16.9. vor mir. Die könnte ich bei Bedarf einscannen (PDF, JPG, TIFF o.a.?).


    Am 17.9. berichtete von 50%-igen landwirtschaftlichen Schäden bzw. Ernteausfällen in der Plaine Orientale, ohne jedoch schon die einzelnen Auswirkungen auf Weinbau, Feldfrüchte o.ä. benennen zu können. Das soll in ca. 2 Wochen zusammengetragen sein.



    - Und jetzt noch zwei Erlebnisse von "Mitleidenden":


    "Nuit de cauchemar pour les campeurs de [definition=16]Ghisonaccia[/definition]" (Schlagzeile 16.9.06):


    Auf der Fähre habe ich eine Familie getroffen, die in Aleria die Evakuierung ihres CPs miterleben "durfte" und in der Turnhalle (o.ä.) einquartiert wurde.
    Deren Aussage nach haben die Verantwortlichen wohl zu spät die (noch drohenden) Ausmaße der Unwetterfront erkannt: die besorgten Fragen der -Nutzer angesichts des Wolkenbruchs und der sich ausbreitenden "Pfützen" wurden beschwichtigt. Als kurz danach der 1-2m unter Wasser stand war es (für etwa 1500 Personen lt. Presse) natürlich zu spät ...
    Die dann eingeleiteten Maßnahmen wurden als äußerst professionell und umsichtig beschrieben, aber halt zu spät ...
    Laut Presse sprangen auch die Kräfte des Militarflugplatzes bei Travo völlig unkompliziert ein und zogen mit schwerem Gerät die abgesoffenen Urlauber-PKWs auf's "Trockene" (nach wie vor wolkenbruchartige Niederschläge!) und boten einigen Dutzenden Urlaubern Notquartier in ihren Hangars.


    Ein Arbeitskollege war in der Balagne und bekam erst etwas von dem Unwetter mit, als er an diesem 14.9. nach zur Fähre wollte und als Rucksack-Tourist auf die Zugverbindung angewiesen war. Doch da gab es keine Züge mehr ...
    Stattdessen wurden mit widerum großer Professionalität Ersatzbusse u.a. organisiert. Die Verantwortlichen taten offensichtlich alles, um trotz aller Widerwärtigkeiten den offiziellen Fahrplan einzuhalten. Da war weder der Zugchef des "verhinderten" Zuges sich zu Schade, den Ersatzbus (Busconvoi?) Richtung bis zum Fährhafen zu begleiten und dabei für zügiges Vorwärtskommen und aktuelle Infos zu sorgen, noch sträubte sich der Busfahrer schlussendlich dagegen, das "Revier" der benachbarten/"feindlichen" Bus-Gesellschaft zu befahren.


    Trotz allem bleibt da doch ein gutes Gefühl zurück für den nächsten Urlaub, oder?


    So, genug geschwätzt ... Grüße aus Teemitrum
    Ernest


    PS: anbei 3 Bilder der [definition=6]Solenzara[/definition] nach Unwetter anno 2006 am Rosmarinu, ein Vergleichsbild anno 2003 mit sommerlichem Wasserstand ebenda und Auszüge aus dem anno 2006 anlässlich des Unwetters ...