Korsikas Eisenbahn - Eine neue Glanzzeit zeichnet sich ab

  • was für ein guter, informativer Artikel. Wir bedauern immer noch, dass die Strecke an der Ostküste nach dem Krieg, auch noch von Deutschen abgerissen wurde. Ein kleiner Trost, heute kann man auf vielen Teilstrecken der alten Bahn prima Radfahren und das Hinterland entdecken.
    viele Grüße
    Helen

  • Zerstörung der Ostküstenstrecke


    Im Jahre 1943 landeten deutsche Truppen auf Korsika. Diese bombardierten die Ostküstenstrecke, die damals noch keine 10 Jahre alt war. Auch der Bahnhof von wurde von deutschen Bomben schwer beschädigt. Insgesamt wurden 450 m Brücken, 1 Tunnel, 5 Bahnhöfe, 3 Handelshallen, 4 Depots, 15 Lokomotiven, 3 Triebwagen und 250 Eisenbahnwagen komplett zerstört. Auch das Archiv der Bahn wurde durch einen Brand fast komplett vernichtet. Doch nicht nur die Bahnlinie litt arg. Auch die N198 wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Zwischen Casamozza und Bonifacio wurden 53 Brücken zerstört.


    Nach dem Krieg wurde die Ostküstenstrecke zwischen Casamozza und Folelli wieder in Betrieb genommen.



    Kopiert von Martins Seite

  • Ich denke dass die Zerstörung der korsischen Eisenbahn durch die deutschen Truppen zu pauschal formuliert ist. Richtig ist dass Korsika von deutschen, aber eben auch von italienischen Truppen besetzt war. Der korsische Widerstand befreite die Insel im Jahre 1944 von den Besatzern, und dabei sind ganz sicher auch Späne gefallen, soll heißen Schienenverbindungen gesprengt worden. Wer nun was zerstört hat ist heute sicher nicht mehr wichtig, schade ist dass es die Schienenverbindungen in ihrer Gänze heute nicht mehr gibt (woran im Übrigen die korsische Desorganisation nicht ganz unschuldig ist).


    Grüße,


    Jürgen

  • Weil es gerade so schön passt, kommt hier nochmal der Willy zu Wort,
    die Legende vom Eisenbahn-Willy:


    "Er war einmal ein fleißiger deutscher Bahnhofsvorsteher.
    Jetzt ist er im Ruhestand und hat sich von seinem mühevoll Ersparten einen
    kleinen Bungalow an der Ostküste der wunderschönen Mittelmeerinsel Korsika
    gekauft. Hier verbringt Frühling, Sommer und Herbst am Meer. Trotzdem überkommt
    ihn eines Tages die große lange Weile und der Wunsch, etwas für die Insel
    seines Herzens zu tun. Ein dicker Reiseführer hatte ihm einst verraten, daß es
    früher eine Eisenbahnstrecke an der Ostküste entlang gegeben hatte, die bei
    Kriegsende von den Deutschen zerstört worden war. „Warum wird sie nicht wieder
    aufgebaut ?” sinniert er und seine Idee formt sich zu einem handfesten
    Vorhaben. Bewaffnet mit Fotoausrüstung, Notizblock und anderen für so eine
    Entdeckungsreise unerlässlichen Utensilien sowie seiner resoluten Gattin
    beginnt das Abenteuer. Verfallene oder umgebaute Bahnhofsreste, Stahlbrücken,
    deren Gleise den Weg ins Nirgends erleichtern, Tunnel, in denen Pilze gezüchtet
    werden, unterzieht er einer gründlichen Untersuchung und Dokumentation. Beim
    Anblick der vom Dickicht überwucherten Bahngleise denkt er manchmal an sich und
    sein Leben. Er lernt auch viele Leute kennen, die so manche Story über die alte
    Eisenbahn zu berichten haben. Sehr freundlich sind sie. Aber merkwürdigerweise
    wechseln sie immer das Thema, wenn er auf den Wiederaufbau der Strecke zu
    sprechen kommt. „Naja, Korsen sind eben Korsen”, sagt er sich. An die fertige
    Dokumentation hängt er noch einen Artikel mit seinen Imaginationen, den
    Wiederaufbau betreffend. Gerade als der Wälzer fertig ist, flattert eine
    Einladung zu einem „Geschäftsessen, seine Dokumentation betreffend” in sein
    Ostküstenchalet. Neugierig nimmt er sie war und sitzt mit zwei gepflegten
    Herren an einem sehr gepflegten Tisch in einem noch mehr gepflegten Haus und
    dann kommt das „plat du jour”. Bei der „soupe poisson” plaudern die Herren mit
    ihm natürlich über Politik. Daß auf der Insel üblich ist, als Unternehmer auch
    ein gesellschaftliches Amt zu bekleiden erfährt er, beispielsweise in der
    Kombination Straßenbauer und Parlamentarier oder Bürgermeister &
    Busunternehmer. Bei den „huitres” erzählt ihm einer der Herren von einem
    Austernfabrikanten, der sich nicht an die Absprachen gehalten hat und den man
    letztes Jahr mit Steinen an Händen und Füßen im Tavigniano fand. Als ihm von
    der toten Journalistin, die zu neugierig
    war, beim „fromage” berichtet wird, hört er nicht mehr so ganz aufmerksam zu.
    Nach kurzer Überlegung übergibt er sein Manuskript und verlässt trunkenen
    Schrittes das Haus, setzt sich in sein Auto und fährt zu seiner Frau. Statt
    seines bescheidenen Bungalows erwartet ihn an gleicher Stelle ein stattliches
    Haus mit zwei kanarischen Dattelpalmen vor dem Eingang und seine Frau in einem
    güldenen Gewand am Ende einer blühenden Oleanderallee. Über all das wundert er
    sich nicht, setzt sich in einen Liegestuhl und genießt bis ans Ende seiner
    Tage. Nur manchmal, wenn er nachts nicht schlafen kann, der Mond nicht scheint
    und es auch sonst sehr finster ist, zieht er eine kleine Spielzeugeisenbahn die
    Ostküste entlang, dort, wo Sekunden später die Wellen alle Spuren wieder
    auslöschen... "


    Gruß tizian

  • Hallo Helen?

    Wieso denn ausgerechnet von den Deutschen? Versteh ich nicht! hast du eine erklärung für mich?



    Heinz


    hallo Heinz,
    na ich meinte die Tat war so unrühmlich für unsere Nation, ansonsten würde nicht immer wieder so explizit darauf hingewiesen werden: "Die Deutschen haben...".
    Gruß
    Helen

  • Das kann man alles nachlesen und verstehen:
    Es gibt ein neues
    Internetportal zu Gedenkorten in Europa
    : Unter www.gedenkorte-europa.eu
    können ab dem 24. Januar 2013 über 725 Gedenkorte in Italien und Frankreich
    sowie zahlreiche Biografien und Sachstichworte recherchiert und aufgefunden
    werden.


    Korsika spielt dort eine besondere Rolle:
    Denn Korsika war das erste befreite Departement Frankreichs - aus eigener Kraft und mit Unterstützung der Alleierten - dort - auf der Internet Seite - finden sich unglaublich viele Dokumente und spannende Orginal Berichte von Augenzeugen über die Ereignisse damals, die zeigen,wie lächerlich und primitiv die im vorherigen Beitrag benannte Wochenschau die Fakten verdreht und die Flucht der deutschen Truppen aus Korsika erzählt. In Folge der Kriegshandlungen wurde die Bahnstrecke zerstört und nicht mehr aufgebaut. Übrigens: Auch die alte Genueser Brücke in Ponte Nouvo wurde von den deutschen Truppen zerstört, daran errinnert eine kleine Gedenktafel unten am Fluß. Und nicht 1769, wie manche glauben....
    Spannend auch: http://www.curagiu.com/agrigates.htm
    , eine korsische Website........

    • Offizieller Beitrag

    Hallo zusammen,


    auch wenn das jetzt verblichene KFA (Korsika-Forum Alt) vielleicht nicht mehr sehr vieler Erinnerungen würdig ist, so möchte ich doch auf einen Umstand hinweisen, der mir dort sehr lieb war: die Themen aktuelle Politik + Historie waren dort gut vertreten!
    Es freut mich sehr, dass diese Themen auch hier in unserem Forum ihre Würdigung erfahren, mit mich sehr interessierenden Beiträgen!
    Danke für die gute Recherche oder einfach: die guten Links + Dokumente!
    Gerne weiter so! :gamer:


    Meine Grüße aus Teemitrum
    Ernest

  • Lieber Tizian! Du hast einen sehr schönen Beitrag geschrieben, der in mir einiges aufwirft.
    Meine Eltern kamen als Flüchtlinge ins Land und hatten vieles erlebt und aufgebaut. Tenor war allerorten der freundliche Empfang.
    Es gab viel Zwist und Hürden, von so Dingen wie, wenn ihr nicht zu diesen Bedingungen bei uns kauft, dann.... oder plötzlicher Besuche des Gewerbeaufsichtsamtes, solches hat auch auf uns Kinder abgefärbt. Genauso auf die Kinder der Altbürger.
    So entsteht ein Gefühl, dieses ließ mich letztens, mein Opinel austauschen. Drum trage ich jetzt die kinderfreundliche Version mit der abgerundeten Spitze im Hosensack, spart Verletzungen an Leib und Hose.
    Auch jetzt noch geht mir mein Opinel zu oft auf, solche Schilderungen wie in deinem Beitrag lassen in mir meinen Gerechtigkeitssinn wach werden.
    Es ist vor allem dieses bedroht werden, diese Ohnmacht weil man diese unausgesprochenen Dinge nicht anzeigen kann und nicht dagegen vorgehen kann. Der Aufbau von Angst, mit deren Hilfe schon Ziele in der Sandkastenzeit erreicht werden können.
    Dieses hinzunehmen fällt mir mit den Jahren immer schwerer, drum hat mich dein Beitrag auch so gerührt und darin bestärkt nicht aufzugeben.
    Es gibt genug Beispiele dafür, daß sich Gutes tun auszahlt, dies merken vielleicht auch Unternehmer in gleichzeitiger Funktion als Ehrenamtsträger.
    Merci nochmal und Grüsse vom Hans