Unwetter auf Korsika - Auswirkungen auf Mare a Mare und GR20???

  • Hallo, gibt es durch das Unwetter Abschnitte auf den Etappen, die beschädigt wurden oder gar nicht mehr begangen werden können? Wie ist der Zustand jetzt allgemein dort?

  • Hi,


    da bisher keine Antwort kam, hier etwas von mir, das jedoch auch Deine Frage nicht komplett beantworten kann.


    Ich habe den Mare a Mare Nord im Juni 22 gewandert, also vor dem Unwetter und den GR 20 vor mehr als 10 Jahren (als er noch nicht so überlaufen war). Zum aktuellen Stand nach dem Unwetter kann ich für beide Wege nichts schreiben, aber zu einigen grundsätzlichen Anmerkungen, die jetzt nach dem Sturm auch eine Rolle spielen dürften:


    1. Der Mare a Mare Nord liegt bekanntermaßen überwiegend deutlich tiefer, als der GR 20 und oft in Waldstücken. Markierungen sind daher wesentlich öfter an Bäumen angebracht, als beim GR 20. Bei umgefallenen Bäumen ist daher möglich, dass Markierungen betroffen sind. Der Mare a Mare Nord ist sehr unregelmäßig markiert: mal deutlich mehr Markierungen, als notwendig, aber leider an einigen Schlüsselstellen fehlten auch schon vor dem Unwetter Markierungen. So oder so ist es daher besser, man hat die Route auf einem guten GPS Gerät. Also es wäre ein Zufall, wenn Bäume mit Markierungen an Schlüsselstellen betroffen wären, aber auszuschließen ist es nicht.


    Beim GR 20 sind es deutlich überwiegend Markierungen auf Steinen, die vom Unwetter nicht betroffen sein dürften (Ausnahmen gibt es auch da, um so größer wäre der Zufall, wenn auch diese betroffen wären).


    2. Auch schon vor dem Unwetter waren die Wege des Mare a Mare Nord schlecht gepflegt. Es gab auch im Juni einige umgefallene Bäume, die den Weg versperrten und nicht oder nur schwer umlaufen werden konnten. Es ist daher nicht auszuschließen, dass nach dem Sturm viele Bäume den Weg versperren (siehe 3.) und die Frage ist, wann diese Wege mal wieder gepflegt werden. Natürlich kann man die Wirte der Refuges vorab tel. fragen - aber erfahrungsgemäß nicht zu viel erwarten...


    3- Am stärksten vom Unwetter in Korsika betroffen war wohl die Gegend um Marignana (220 km/h Sturm). Also die letzten beiden Etappen des Mare a Mare Nord (erweitert zum Meer nach Cargèse als Mare e Monti) Marignana - Refuge E Case und Refuge E Case - Cargèse. Dazu sollte man schon unabhängig vom Unwetter folgendes wissen: Es geht auf über 1.100 Meter hoch und nach der Bocca Acquaviva und den Ruinen der Hirtenhütten von Casta ist die Wegmarkierung (auch vor diesem Unwetter) sehr schlecht. Gehspuren und die Küste im Blick verleiten einen dazu geradeaus weiter zu laufen, was an dieser Stelle verhängnisvoll ist, da es in unwegsames Gelände führt, steil und felsig wird und - zumal mit Gepäck - auch gefährlich werden kann. Vielmehr geht es nach den Ruinen der Bergerie rechts in Serpentinen bergab. Hier GENAU auf die spärlichen Markierungen achten und lieber langsam, als vom Weg abkommen. So kommt man dann ins Valée de Riogna. Dann geht es ein ganzes Stück (einige Kilometer) parallel zum Riogna-Bach (der später Ruisseau des Sulleoni heißt). Erfreulicherweise ist dieses Stück im Gegensatz zum zurückliegenden Teil viel im Schatten (Buschwerk, Macchia, Wald), aber durch den Sturm kann es hier natürlich größere Behinderungen durch umgeknickte Bäume gegeben haben, die noch anhalten. Das würde auch das Rinnsal des Baches betreffen. Normalerweise im Sommer fast (zum Glück meist nicht ganz) trocken, kann er natürlich bei so einem Unwetter zu einem gefährlichen Strom werden. Aber erstens führt der Weg nur kurze Stücke knapp neben dem Bach, sonst deutlich oberhalb und außerdem ist es ja seit dem Unwetter überwiegend trocken geblieben, sodass ich glaube, da ist nicht mehr viel Wasser.


    Ansonsten sind natürlich Stürme auf diesem Wegstück, wie auch auf einigen Teilstrecken des GR 20 immer eine Herausforderung. Schon bei Mistral, Ponente oder Libeccio kann man manchmal auf dem GR 20 kaum aufrecht stehen, ohne dass es einen wegbläst - geschweige denn solche Ausmaße von 220 km/h - aber das ist ja nun auch Vergangenheit, aber Wettervorhersagen sind immer wichtig, auch bei weniger starkem Wind.


    4. Es ist zu beachten, dass auf díeser sehr langen Strecke Marignana - Refuge E Case das Refuge E Case als Übernachtungsmöglichkeit aktuell ausfällt, da es nicht mehr bewirtschaftet wird. Man könnte dort campen, aber eben ohne Versorgung und Wasser. Wasser gibt es unweit im unterhalb gelegenen Ort Revinda (vorher Abzweigung rechts). Falls Interesse besteht, kann ich Alternativen zur Übernachtung mitteilen. Ansonsten bleibt natürlich die Alternative, zwei Etappen zu nehmen und bis Cargèse weiter zu laufen (aber es geht nicht nur bergab und nach dieser langen Etappe sicher kein Kinderspiel).


    Hoffe das hilft ein wenig


    Schönen Gruß

  • Hallo,

    leider gibt es noch keine weiteren Neuigkeiten? Wir möchten Ende Sep-Anfang Okt den GR20 laufen.
    Danke deshalb für deine Infos.


    Schöne Grüße

  • Hallo Nick,

    ich habe soeben mit Bekannten gesprochen, die nun zurück sind und den nördlichen Teil des GR 20 gelaufen sind. Keinerlei Probleme mit dem GR 20 Weg.

    Durch den Regen ab der Maganu Hütte mehr / wieder Wasser in den Bächen. Der Tavignano zu kalt für das Gumpenbaden.


    Denk daran, dass Ende September viele Bergerien geschlossen haben somit ist eine ÜN aber auch der Nachkauf von Proviant schwieriger. Letztes Jahr sind um diese Zeit auch schon die Hüttenwarte der Refuge abgezogen worden und einzelne Hütten waren verschlossen Tighiettu und Mori. Selbst das Hotel am Col de Vergio war off (und somit auch der Shop für Lebensmittel).

    Zudem werden die Tage deutlich kürzer und vor allem kühler/KALT. All das führt zu schwereren Rucksäcken (mehr Proviant, Kocher, Zelt und dickeren Schlafsack). Ist das Euch klar?


    Gute Zeit

    Micha

  • Hallo Micha,


    du schreibst, die Hütten Tighiettu und Mori waren zu?


    Ich gehe seit jeher davon aus, dass alle Hütten des GR20 immer als Refuge geöffnet sind und dass lediglich ab ca. Ende September/Anfang Oktober die Bewirtschaftung wegfällt.


    Kannst du das mal näher erläutern? Besten Dank und Gruss aus Ostbelgistan von Andreas

  • Mipfi

    das würde mich jetzt auch interessieren..

    Ich habe auch noch nie erlebt, daß ein refuge wirklich komplett verschlossen war.

    Einmal vor vielen, vielen Jahren im Januar das refuge am plateau de Stagnu/ Asco, aber selbst dort war der Winterraum offen - und das mit heißen Duschen!!!

    Aktuelle Ausnahmen sind anscheinend die schon seit längerem abgebrannten refuges Asinao und Piobbu, wo die provisorischen Strukturen im Winter abgebaut werden oder eindeutig zu sind.

    Vielleicht kannst du nochmal bei deinen Informanten nachfragen...

  • Wie ich anderswo bereits geschrieben hatte, war ich letzte Woche unterwegs, allerdings nicht auf dem GR.

    Im Raum Vizzavona / Vivario / Corte sind mir keinerlei nennenswerte Schäden aufgefallen. Zwischen Bocognano und Bastelica hingegen jede Menge umgestürzte Bäume und viel abgebrochenes Astwerk.


    Ist leider auch keine konkrete Antwort auf deine Frage, aber ich wünsche dir trotzdem bonne route.

  • Danke erst mal für eure Antworten. Dann steht dem Abenteuer ja nichts entgegen.


    Ja, es ist uns klar, das wir alles mitnehmen müssen.
    Dafür ist weniger los, was wir genießen werden.