GR20: Welches Schuhwerk, u.a.

  • Hallo zusammen ihr "Stiefelwanderer" :thumbupparty:,


    dieser Thread ist lang - zum Glück auch trotzdem sehr inhaltsreich! :thumbsupparty:

    Und bei soviel Inhalt kann man schon mal das eine oder andere nicht mehr im Gedächtnis haben ...

    Daher möchte ich erneut meinen o.g. zitierten Beitrag aus #15 ins Gedächtnis zurückrufen!

    Ich weiß jetzt nicht mehr ob ich bei LOWA oder HANWAG oder sogar bei beiden angefragt hatte, oder war es MEINDL?

    Auf jeden Fall haltet ihr bitte deren Äußerung zum Thema deutlich im Hinterkopf ... ;(party: !!


    Meine LG aus Wanderforum

    Ernest


    PS: ich werde diesen Umstand alsbald explizit bei den 3 o.g. Anbietern erneut nachfragen ... :gamer:

  • Hallo zusammen ihr lieben "Stiefelwanderer" :thumbupparty:,


    dieser Thread ist lang - zum Glück auch trotzdem sehr inhaltsreich! :thumbsupparty:

    Und bei soviel Inhalt kann man schon mal das eine oder andere nicht mehr im Gedächtnis haben ...

    Daher möchte ich erneut meinen o.g. zitierten Beitrag aus #15 ins Gedächtnis zurückrufen!

    Ich weiß jetzt nicht mehr ob ich bei LOWA oder HANWAG oder sogar bei beiden angefragt hatte, oder war es MEINDL?

    Auf jeden Fall haltet ihr bitte diese Äußerung eines Marktführers zum Thema deutlich im Hinterkopf ... ;(party: !!


    Meine LG aus Wanderforum

    Ernest


    PS: ich werde diesen Umstand alsbald explizit (auch in meinem persönlichen Interesse!!) bei den 3 o.g. Anbietern erneut nachfragen ... :gamer:

  • Hallo Ihr Schuhpfleger :


    Vergesst doch bitte nicht Eure Füße !!

    Auch die gehören gehegt und gepflegt ! Eine gute Fußcreme zum Beispiel.

    Oder schaut mal vorher nach Euren Zehennägeln - wenn da was eindrückt habt Ihr richtig Probleme.

    Und nach der Wanderung brauchen die Füße Luft ! Und Erholung !

    Sie leisten ja immerhin Großartiges.

    Auch die richtigen Socken sind immens wichtig !

    Grüßle


    :bergheil:

    Nur wer sich der Sonne zuwendet lässt die Schatten hinter sich !

  • "Lederpflege und Pflege feuchtigkeits-transportierender Folien widersprechen sich vehement!"

    […]

    Daher möchte ich erneut meinen o.g. zitierten Beitrag aus #15 ins Gedächtnis zurückrufen!

    […]

    PS: ich werde diesen Umstand alsbald explizit (auch in meinem persönlichen Interesse!!) bei den 3 o.g. Anbietern erneut nachfragen ... :gamer:

    Ok, ich habe meine Absicht, diesen Thread als abgeschlossen zu betrachten ja extrem lange durchgehalten…


    In der Theorie scheint die Kombination aus Leder, das mit Wachs gepflegt werden will, und Goretex in der Tat ein Problem zu sein. Die Kernaussage ist dabei ja:

    - Die Wachsschicht behindert leider das "atmungsaktive/feuchtigkeits-transportierende" Verhalten der eingebauten Folien durch das Eindringen des Wachses in die verbauten Folien ...

    Da stellen sich mir als Schuhmaterial-Laien gleich mehrere Fragen.

    • Wie "atmungsaktiv/feuchtigkeits-transportierend" ist Leder überhaupt, gewachst oder ungewachst? Die beste Goretex-Folie nützt natürlich nichts, wenn die umgebende Schicht (das Obermaterial) nichts durchlässt.
    • Durchdringt das Wachs das Leder überhaupt in einem Maße, dass es die Goretex-Folie nennenswert erreicht?
    • Wird es wirklich in die Folie "eingebaut"?
    • Wenn dies so ist, in welchem Ausmaß beeinträchtigt dies die Funktion des Goretex?

    Nach diesen theoretischen Überlegungen stellt sich die Frage der praktischen Relevanz.

    - bei z.B. Goretex ist ein "feuchtigkeits-transportierendes" Verhalten theoretisch nur bei Temperaturen unterhalb von +20°C möglich! ... Trotzdem hatte ich auch bei +35°C ein gutes Gefühl in meinen Goretex-LOWAs damals auf La Gomera ... ;)party:

    Bezüglich der temperaturabhängigen Wirkung von Goretextfolien hat Teemitrum ja auch schon die Erfahrung gemacht, dass Theorie und Praxis nicht unbedingt übereinstimmen müssen.


    Ich stelle mir halt die Frage, ob das "Wachs-verstopft-die-Goretext-Folie-Problem" in der Praxis relevant ist. Tausende, wenn nicht Zigtausende Wanderer marschieren mit gewachsten Komposite-Schuhen (außen Leder, innen Goretex) durch die Landschaft, ohne dabei wie in einem Plastikbeutel zu schwitzen (vermute ich zumindest).

    Suche ich bei Meindl "Bergschuhe" mit dem Obermaterial "Leder" finde ich :

    • 40 mit einem Futter aus Leder
    • 116 mit einem Futter, das Goretext enthält

    Wäre das mit dem Wachs ein echtes Problem, dann müssten knapp 3/4 aller Meindl-Bergschuhe mit Leder als Obermaterial untauglich sein oder zumindest ein miserables Fußklima haben. Ist das wirklich so? Ich weiß natürlich nicht ob alle Goretex-Wanderer noch viel glücklicher wären, wenn sie kein Goretex hätten, aber sooo schlimm, scheint das Problem nicht zu sein, oder?


    Kurzum, was will ich eigentlich sagen? Ich finde die Überlegungen und Diskussionen um Material- und Pflegekompatibilitäten recht spannend, möchte aber zu denken geben, dass manche theoretisch richtigen Überlegungen in der Praxis keine oder nur wenig Relevanz haben. Trotzdem fände ich es interessant zu hören, was die Hersteller bei einer erneuten Anfrage von Teemitrum antworten würden.


    Bezüglich meines guten "Meindl Vakuum Top Men" vermute ich, dass das Wachsen das kleinere Übel ist, denn die beste Goretext-Folie nützt wahrscheinlich wenig, wenn das Leder trocken und brüchig geworden ist.

    […] Es müsste auch locker ausreichen, den zu Hause zu wachsen und dann halt wieder, wenn du zurück kommst. […]

    Wie sehr Ihr anderen das? Schleppt Ihr bei einer 14-Tage-GR 20-Tour Wachs und / oder Imprägnierspray mit, oder pflegt Ihr nur davor und danach?

    Vergesst doch bitte nicht Eure Füße !! Auch die gehören gehegt und gepflegt ! Eine gute Fußcreme zum Beispiel. […]

    Und nach der Wanderung brauchen die Füße Luft ! Und Erholung ! […]

    Auch die richtigen Socken sind immens wichtig !

    Keine Frage, von einem Paar Schlappen für die Hütten habt Ihr mich ja schon überzeugt, und diverse Socken sind im Test. Bezüglich der Fußcreme habe ich Positives über "Gehwol"-Salbe gehört, wenngleich ich kaum eigene Erfahrung damit habe.


    Mir scheint, der Thread bleibt spannend.


    mtroja

  • PS: ich werde diesen Umstand alsbald explizit (auch in meinem persönlichen Interesse!!) bei den 3 o.g. Anbietern erneut nachfragen ...

    Hallo Michael,


    vielen Dank für Deine detaillierten Fragestellungen obenan!

    Eigentlich wollte ich nicht soo tief in die Details gehen, aber dieser Thread gibt es her!! :thumbsupparty:

    Ich glaube aber dass meine Anfragen an die o.g. Anbieter nicht ansatzweise auf dem hier entwickelten Detailreichtum zum Thema :appl:eingehen werden (können)! :hmm:

    Trotzdem auch aus meiner Sicht: es ist + bleibt spannend!


    Meine Grüße aus Wanderforum

    Ernest

  • Hallo zusammen,


    diesen Anfragetext habe ich verschickt:


    Liebe "..."s,

    ich habe schon etliche Wanderstiefel eurer Marke "abgewandert" - aber trotzdem gibt es ja diese auch für mich persönlich wichtige Bemerkung sowohl von euch als auch wichtigen Mitanbietern zum Thema "Leder + Goretex" - sinngemäß: - - "Goretex" o.ä. funktioniert nur wirklich unterhalb 15°C

    - - "Lederpflege und Pflege feuchtigkeits-transportierender Folien widersprechen sich vehement!" Basierend auf eurer sehr dünnen Empfehlung für "Goretex + Leder":


    Also ... wachs mich - aber bitte NUR minimal!" frage ich an ... Also nach dem bekannten Motto: "Wasch mich - aber mach mich nicht nass!"

    Was nun?

    Was ist eure aktuelle "Pflege-Magie" für die prinzipiell ja nutzungs-widersprüchliche Kombi "Leder+Folie"?!?


    Mal sehen wer wie darauf antwortet ...

    Meine LG aus dem Wanderforum
    Ernest

  • Mal sehen wer wie darauf antwortet ...

    Hoffentlich verstehen die, was Du meinst.


    Grundsätzlich zum Thema: Wenn man das Funktionsprinzip der Folien versteht, dann schließt dies das Wachsen logischerweise aus. Entweder ist was offen oder zu! Bei Leder ist es genauso: Entweder ist es wasserdicht also gewachst oder eben nur gepflegt und wasserabweisend. Bei einer Kombi mit Tex kann es also keine pauschale Empfehlung geben.

    Wenn ich der Schuh-zum-Thema-macher wäre, würde ich Leder wachsen und Tex nicht.

    Ansonsten bin ich der Meinung, dass man primär auf gute Passform und hochwertiges Material achten sollte. Das Thema Imprägnieren zur wissenschaftlichen Abhandlung zu machen, macht einen nur unsicherer. Gelaufen ist man da noch keinen Meter!


    Gruß

    wolfgang

    Es grüßt

    wolfgang, klein geschrieben

  • h/% ...vielleicht hilft das §%&&

    Danke für den Hinweis. Scheint mir ein guter Artikel zu sein. Insbesondere die Unterscheidung von Wachs, Fett und Öl war interessant:

    "Besser ist da schon Lederwachs, da dieses zwar das Leder immer schön geschmeidig hält, aber die Poren im Gegensatz zum Fett nicht verstopft."


    Ob das inhaltlich zu 100% stimmt, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber das würde plausibel machen,

    1. warum die Leder-Goretex-Kombination in der Praxis keine Katastrophe zu sein scheint und
    2. warum eine Imprägnierung eine sinnvolle Ergänzung zur Wachs-Pflege ist.


    Das steht allerdings im Gegensatz zur Aussage von wolfgang:

    […] Entweder ist es wasserdicht also gewachst oder eben nur gepflegt und wasserabweisend. […]

    Wenn ich das richtig verstehe, sind für Dich "pflegen" (wasserabweisend) und "wachsen" (wasserdicht) zwei unterschiedliche Sachen. Wie sieht Deine "Pflege" aus, wenn nicht wachsen gemeint ist?


    mtroja

  • Sorry mtroja Michael, ich bin da kein Profi und will es auch nicht werden. Weiß zwar einiges diesbezüglich, eine Master-Arbeit kann ich aber nicht schreiben.

    Deshalb: Alles gut! Wir warten mal ab, was die Initiative des Ernesto so bringt.

    Ich verwende Leder- und Sattlerseife. Dann Snow-Seal. Ansonsten spezielle Sprays für Tex. Fertig. Ob das wirklich gut ist, weiß ich nicht. Ich will nun auch keinen mehr verwirren und klinke mich aus. Zu Recht, denke sicher nicht nur ich.


    Grüße mit Dank an die Wissenschaftler! Echt krass!

    wolfgang

    Es grüßt

    wolfgang, klein geschrieben

  • Hallo ihr Interessierten,


    alle 3 von mir befragten Hersteller haben mir mittlerweile geantwortet.

    In sehr unterschiedlichem Umfang ("Dissertation" seitens LOWA) und unterschiedlichen Stilen (angenehm hemdsärmlig: MEINDL).

    Ich brauche noch etwas Zeit um die Gemeinsamkeiten bzw. Widersprüchlichkeiten auf eine übersichtliche Tabelle zu reduzieren!

    Und stelle noch die Meinung eines der Hersteller aus dem Jahr 2004 gegenüber - man hat wohl was gelernt in der Branche!


    Meine Provokation im Sinne "Wachs mich - aber mach mich nicht dicht!" hat jedenfalls keiner bei den von mir angefragten Herstellern wirklich konkret beantwortet ... man drückt sich nach wie vor um den heißen Brei herum.

    Das gilt leider auch für die von Günter dankenswerterweise ja schon in #68 vorab hier eingestellten Infos ...


    Meine LG aus Teemitrum

    Ernest


    PS: ich sehe momentan kein Problem die "schuh-technischen" Beiträge hier aus dem Thread herauszulösen und in einen neuen Thread zu verschieben! Was meint ihr dazu??

  • Zitat

    PS: ich sehe momentan kein Problem die "schuh-technischen" Beiträge hier aus dem Thread herauszulösen und in einen neuen Thread zu verschieben! Was meint ihr dazu??

    Wozu Ernest? Das ist doch "der Schuh-Thread" - und fertig.


    Liebe Grüße


    Mila

  • Zitat

    Nach der Tour werde ich gerne noch ein Nachwort mit den Erfahrungen, die ich mit Schuh und Socken gemacht habe, anhängen.

    Hallo Ihr Lieben,
    dieses Zitat von mir ist nun fast ein Jahr alt, und vielleicht haben sich ja manche gewundert, dass ich aus diesem Mega-Thread so plötzlich ausgestiegen bin. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich die Tour 2018 leider unerwartet aufgeben und unternehme nun 2019 einen neuen Anlauf - praktisch genau im gleichen Zeitraum. Mit meinen eigenen GR20-Erfahrungen könnt Ihr also Ende Juli dieses Jahres rechnen.


    In der Annahme, dass sich seit dem letzten Jahr am GR20 nichts Wesentliches geändert hat (Route, Refuges, Lebensmittelverfügbarkeit, etc.) mache ich nun in der Vorbereitung genau da weiter, wo ich vor einem Jahr aufgehört habe.


    Beim Durchlesen meiner bisherigen Threads ist mir aufgefallen, dass Ernest noch angedacht hatte, die Antworten der Hersteller auf die "Leder-Goretex-Pflege-Problematik" zusammenzufassen. Dürfen wir da noch mit etwas rechnen?

    Ich selber habe zwischenzeitlich angefangen meine Meindl MFS Vakuum mit dem Sport WAX von Meindl zu traktieren. Sie sahen vorher schon eleganter aus. Nun sind sie etwas speckig-glänzend, aber das ist wohl normal so.


    Liebe Grüße aus der Schweiz


    mtroja

  • Beim Durchlesen meiner bisherigen Threads ist mir aufgefallen, dass Ernest noch angedacht hatte, die Antworten der Hersteller auf die "Leder-Goretex-Pflege-Problematik" zusammenzufassen. Dürfen wir da noch mit etwas rechnen?

    Lieber Michael,


    die Antworten (s.o.) sind sowas von wachsweich ( r4%/ !!) dass ich es nicht wage hier ein Résumée zu ziehen! :cabezazo:

    Mein persönliches Fazit seit über 10 Jahren Diskussion mit den namhaften Anbietern:

    Leder-Pflege und Goretex-Pflege widersprechen sich fundamental ... :klatsch1:


    Ja, es gibt Anbieter im Bereich "Pflege" die suggerieren sowohl "Leder" als auch "Goretex" bedienen zu können - kann halt einfach chemisch/technisch nicht funktionieren! r9Z6&


    Daher mein eigener - mich selbst überzeugender - Vorschlag dazu:

    - bitte erst Lederpflege ausführen auf den Lederarealen mit für das jeweilige Leder geeigneten Lederpflegen

    - danach den gesamten Schuh imprägnieren mit dem seit Jahren ständigen Testsieger bei "test"- gem. Anhang ...


    Es erschüttert mich ziemlich dass die "großen" Anbieter bekannter Marken da keine anwenderfreundliche Kommentare abgeben ... :klatsch1: Aber vielleicht eben wg. diesem fundamentalen Widerspruch in sich ...


    Meine LG aus Schuhwerkorum

    Ernest

  • […] Mit meinen eigenen GR20-Erfahrungen könnt Ihr also Ende Juli dieses Jahres rechnen. […]

    O, oh. Das Versprechen habe ich ja leider nicht eingelöst, zumindest nicht, was den Zeitrahmen anbelangt. Ich habe den GR20 im Sommer 2019 tatsächlich gemacht. Da Ihr allesamt einen wesentlichen Teil zum Gelingen beigetragen habt, möchte ich nun doch noch (kurz) berichten, wie es mir ergangen ist.

    Ich erlaube mir, dies nicht auf meine 4 Threads (Reservierung, Schwierigkeit, Etappeneinteilung und Schuhwerk) zu verteilen, sondern en bloc beim letzten Thread (Schuhwerk) zu platzieren, auch wenn es kaum noch um Schuhe geht.


    Es war ein einmaliges und großartiges Erlebnis, wobei ich mir beim „einmalig“ schon wieder nicht so sicher bin, denn eigentlich möchte ich die Tour nächstes Jahr wiederholen.


    Nach einer letzten komfortablen Nacht im Chambre d‘hôtes „Au pied des oliviers“ in Calenzana (mit Pool, teuer, trotzdem sehr zu empfehlen) ging es los, und die ersten drei Etappen bis Haut-Asco hatten es wirklich in sich. Beeindruckende Landschaft und viele steile An- und vor allem Abstiege. Dies war dann leider zu viel für mein linkes Knie, und den Abstieg nach Haut-Asco habe ich nur noch mit gestrecktem linkem Bein im Beistellschritt geschafft. Schlechte Voraussetzungen für die Monte-Cinto-Etappe am nächsten Tag.

    Zum Glück besteht die Möglichkeit diese 4. Etappe mit einem Bus zu umfahren und über die Bergerie de Ballone wieder einzusteigen, was ich schweren Herzens gemacht habe. Es war die richtige Entscheidung, und ich war dabei nicht alleine. Den Monte Cinto habe ich so verpasst, aber den Rest des GR20 gerettet, denn der Erholungstag hat meinem Knie gut getan. Ich habe es dann zwar noch manchmal gespürt, aber es hat mich nicht mehr ernsthaft behindert. Gerettet haben mich dabei sicherlich auch meine Wanderstöcke, die ich erstmals eingesetzt hatte, und inzwischen nicht mehr missen möchte. Gerade beim Bergabgehen konnte ich damit viel Belastung vom Knie abnehmen.

    Von der Bergerie de Ballone habe ich dann eine Etappe bis zum Castellu di Verghio gemacht und von dort zum Refuge de Manganu. Anschließend habe ich mich wieder an die klassische („alte“) Einteilung mit 15 Etappen gehalten, sprich vom Refuge d’Usciolu direkt über den Monte Incudine zum Refuge d’Asinau.

    In Porto Vecchio gab es dann noch einen Erholungstag am Meer.


    Auch den Kauf des Rother-Führers (4. Auflage) habe ich nicht bereut und kann ihn nur empfehlen. (Er ist nicht perfekt, aber solide.)


    Von der Landschaft muss ich Euch nichts vorschwärmen, die kennt Ihr und insbesondere der Nordteil war absolut mein Fall. Unvergesslicher Höhepunkt die Brèche de Capitello.


    Mit dem Wetter hatte ich insgesamt Glück. Es gab gegen Ende ein paar Nieselschauer und ein paar Sturmböen. Das Refuge de Prati und die Strecke bis zum Col de Laparo imponierten mit plötzlich aufziehendem Nebel, aber ich musste nie wegen des Wetters aussetzen.


    Neben der unvergleichlichen Landschaft hat mich aber am meisten die Gemeinschaft beeindruckt, die sich nach ein paar Tagen herausgebildet hat. Wir wurden eine lockere Wandergruppe aus 3-5 Franzosen, 4-6 Deutschen und einem Engländer, die fast die gesamte Zeit zusammenblieb. Tagsüber bildeten sich oft kleinere Gruppen je nach Geschwindigkeit und Varianten, aber an den Refuges traf man sich dann wieder und tauschte sich aus. Das ist wahrscheinlich nicht immer so, aber umso schöner, dass ich es so erleben durfte.


    Durch Eure Beiträge war ich ja ganz gut vorbereitet. Ein paar Sachen will ich aber trotzdem noch erwähnen:


    Mit der Zeltvariante war ich ganz glücklich und nur ein einziges Mal (Carruzzo) war es knapp mit den zur Verfügung stehenden Plätzen.


    mtroja: Gibt es auf den Hütten immer ausreichend Klopapier?

    Mufflon: ja natürlich, aber die rot-weisse GR 20 Edition mit dem jeweiligen Etappenplan ist immer schnell vergriffen.

    Mtroja: Ähm, ich nehm mal sicherheitshalber eine Rolle mit...

    Ich vermute mal, dass ich die Ironie in Mufflons Antwort nicht ganz begriffen hatte, denn es gab auf den Hütten nie Klopapier. Zum Glück hatte ich tatsächlich welches mitgenommen, wobei es i.d.R. auch welches zu kaufen gegeben hätte (1 Euro pro Rolle…).


    Warmes Essen gab es überall, allerdings war das Frühstück des Öfteren wirklich schwach und lieblos, insbesondere angesichts des Preises. Um die Frage zu beantworten, wie so ein Frühstück aussieht: Im besten Fall ein frisches Baguette, Butter, Marmelade, Kaffee und Orangensaft. Im schlechtesten Fall knatschiges Toastbrot, ein Hauch von Butter, Gelee und wässriger Sirup.

    Mittags war ich i.d.R. mit Canistrelli (korsische Kekse) und Erdnüssen glücklich, aber das ist natürlich Geschmackssache. (Die gab es aber praktisch auf jeder Hütte zu kaufen).


    Letztlich habe ich dieses Mal noch keine Abstecher oder größere Varianten gemacht (Monte Cinto, Monte d’Oro, Monte Renoso, Aiguilles de Bavella), trotzdem haben mir Eure Tipps zur Etappengestaltung geholfen, und das nächste Mal, habe ich dann ja noch neue Erlebnisse vor mir.


    Mit meinen Schuhen (Meindl Vakuum Men TOP GTX) bin ich gut zurechtgekommen. Und mit Compeed, Opsite-Folie und X-Socks bin ich ganz gut durchgekommen. Hier in der Schweiz verwende ich zum Entfetten der Haut vor dem Kleben des Compeeds Medizinalbenzin. Das konnte ich im Flugzeug leider nicht mitnehmen und wollte es daher vor Ort in einer Apotheke kaufen. Zum Glück habe ich mich vorher telefonisch erkundigt, und der korsische Apotheker war völlig entsetzt. Benzin? Das sei in Frankreich schon lange verboten… Also in der Schweiz verwende ich das im OP regelmäßig, um Klebereste von Pflastern zu entfernen, aber auf Korsika ist das offensichtlich nicht zu bekommen. Letztlich ging es auch ohne, wobei das Compeed mal drei Tage am Stück sehr gut gehalten hat, oder auch mal nach einem Tag hinüber war. Ich hatte den Eindruck, es ist empfehlenswert, es nicht morgens zu kleben, sondern schon am Vorabend, so dass es ohne schnell schwitzig werdende Füße erstmal richtig festkleben kann, aber da fehlt noch die objektive Evidenz. Nachts habe ich dann übrigens ganz dünne Nylon-Socken angezogen, um das „Abrubbeln“ des Comfeels zu verhindern. Das hat ganz gut geklappt.


    Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt, und ich bedanke mich nochmals ganz herzlich bei allen, die sich an den Threads beteiligt haben und somit wesentlich zum Gelingen dieses Abenteuers beigetragen haben.


    Los seid Ihr mich trotzdem noch nicht, denn ich mache noch zwei neue Threads auf.


    Viele Grüße aus der Schweiz


    Michael alias mtroja

  • Letztlich habe ich dieses Mal noch keine Abstecher oder größere Varianten gemacht (Monte Cinto, Monte d’Oro, Monte Renoso, Aiguilles de Bavella), trotzdem haben mir Eure Tipps zur Etappengestaltung geholfen, und das nächste Mal, habe ich dann ja noch neue Erlebnisse vor mir.

    Cinto ist nur 1-2h extra vom GR20 aus, allerdings auf einer ohnehin schon etwas längeren Etappe. Von Süden etwas kürzerer Anstieg.

    Monte d'Oro wird doch überschritten oder kann ohne großen Aufwand überschritten werden?

    Monte Renoso schätze ich als eher langweilig ein.

    Den 3. Bavella-Turm kann man auf der alpinen Variante des GR20 quasi mitnehmen.


    Lohnende Halbtagesziele wären noch Rotondo (von der Petra Piana 4-5h retour, ohne Gepäck) und natürlich die Paglia Orba (ebenfalls etwa 4h retour) oder zumindest das "Trou" vom Capu Tafunatu (2-3h).

    Gerettet haben mich dabei sicherlich auch meine Wanderstöcke, die ich erstmals eingesetzt hatte, und inzwischen nicht mehr missen möchte. Gerade beim Bergabgehen konnte ich damit viel Belastung vom Knie abnehmen.

    Da möchte ich empfehlen, fleißig zu üben; gute (Stock-) Technik holt da viel raus.

    (Btw., find's bewundernswert nach drei Tagen mit dickem Knie auskneifen zu müssen und dann aber noch zehn Tage weiter zu marschieren... Respekt!)

    Die anderen Stellschrauben gegen dicke Knie sind Gewichtsreduzierung und eventuell auch nordwärtiger Routensinn, um sich langsamer zu gewöhnen.

    Los seid Ihr mich trotzdem noch nicht, denn ich mache noch zwei neue Threads auf.

    Wegen des Touren-Klopapiers? 8)party:

  • (Btw., find's bewundernswert nach drei Tagen mit dickem Knie auskneifen zu müssen und dann aber noch zehn Tage weiter zu marschieren... Respekt!)

    Die anderen Stellschrauben gegen dicke Knie sind Gewichtsreduzierung und eventuell auch nordwärtiger Routensinn, um sich langsamer zu gewöhnen.

    Ja, es hat mich schon etwas Überwindung gekostet, die Cinto-Etappe auszulassen. Zum Glück hatte ich mir das Knie nicht verletzt. Es war vermutlich einfach eine Überlastung ohne eigentliche Bänder- oder Meniskusläsion. Trotzdem gab es einen Moment beim Abstieg nach Haut-Asco, wo gar nichts mehr ging, und ich fast heulend auf einer Felsplatte saß und mich nach 3 Etappen nach Hause habe fahren sehen. Umso dankbarer war ich, als mir jemand von der Umgehungsoption erzählt hat, die offensichtlich so häufig genutzt wird, dass es schon ein Schild mit dem Hinweis zum Abfahrtsort des Busses gibt. Die Busfahrt bis Calasima kostet 35€ und muss beim Hüttenwart in Haut-Asco angemeldet werden. Diese Option wäre durchaus eine Erwähnung im Rother wert.

    Déviation GR20 face à l'hôtel (Umleitung GR20 gegenüber dem Hotel).

    Außer mir haben noch 5-6 andere Wanderer die Umfahrung genutzt, wohl einfach weil ihnen die Etappe zu heftig war. So musste ich auch nicht alleine von Calasima zur Bergerie de Ballone wandern.


    Die Frage, die sich mir stellt, ist nun in der Tat, wie sich das Problem beim nächsten Mal vermeiden lässt. Weniger Gewicht wäre sicherlich sinnvoll. Da muss ich meine Packliste nochmal genau durchgehen. Mit einer Richtungsumkehr täte ich mich schon schwer. Beim Gedanken bei der vorletzten Etappe den Aufstieg vom Refuge de Carrozzu über die "Geröllpiste" zu machen, wird mir ganz anders. Das fand ich auch schon ohne Knieprobleme beim Abstieg extrem anstrengend. Mal sehen...


    Gruß

    mtroja

  • Hallo Michael,


    diese "Deviation" resultiert aus der Sperrung, die nach dem Unglück im Cirque Solitude vor bald fünf Jahren vorgenommen wurde; damals war der Weg über den Monte Cinto noch nicht als GR20 (lies: spärlicher) markiert.

    Zitat

    Beim Gedanken bei der vorletzten Etappe den Aufstieg vom Refuge de Carrozzu über die "Geröllpiste" zu machen, wird mir ganz anders. Das fand ich auch schon ohne Knieprobleme beim Abstieg extrem anstrengend

    Meinst Du hier die Strecke Bocca Innominata - Refuge Carrozzu? Da bin ich mal mit Ziel Punta Ghialla hoch & runter, ist mir nicht als besonders unangenehm aufgefallen. War allerdings noch dunkel bzw. dämmerig (und ich hatte kein schweres Gepäck).


    Grüße, Martin

  • diese "Deviation" resultiert aus der Sperrung, die nach dem Unglück im Cirque Solitude vor bald fünf Jahren vorgenommen wurde; damals war der Weg über den Monte Cinto noch nicht als GR20 (lies: spärlicher) markiert.

    Da der Bus, der den Monte Cinto via Ponte Leccia umfährt, genau gegenüber dem Hotel abfährt, habe ich die "Déviation" auf diesen Shuttle-Service bezogen und nicht auf die neue Streckenführung. Wenn die neue Strecke auch "gegenüber dem Hotel" startet, ist dies aber in der Tat die wahrscheinlichere Bedeutung des Schildes.

    Meinst Du hier die Strecke Bocca Innominata - Refuge Carrozzu? Da bin ich mal mit Ziel Punta Ghialla hoch & runter, ist mir nicht als besonders unangenehm aufgefallen. War allerdings noch dunkel bzw. dämmerig (und ich hatte kein schweres Gepäck).

    Ja die meine ich.


    Es war brütend heiß, mein Knie kündigte sich schon etwas an, es ging lange bergab, der Rucksack war schwer und bei jedem Schritt ist man noch ein paar Zentimeter weiter gerutscht, bis man Halt hatte. Ich fand das extrem anstrengend.

    Und die Vorstellung am vorletzten Etappentag, beim Aufstieg auf diesem Geröll immer wieder ein wenig zurückzurutschen und sich hochkämpfen zu müssen, begeistert mich nicht so ganz.

    Wahrscheinlich liegt die Strecke morgens beim Aufstieg noch im Schatten und es ist alles nicht so wild, aber runterzu hat sie mir nicht wirklich Spaß gemacht. Die Abstiege nach Haut-Asco und vom Monte Incudine waren auch steil, aber nicht so geröllig und haben mich nicht demotiviert. (Nach Haut-Asco hat mich mein Knie ausgenockt, aber sonst fand ich den Abstieg nicht schlimm.)


    Gruß


    mtrojas