Wie Urlauber zu Kolonialisten auf Zeit werden

  • Und was, wenn die sich die Figatellu teilen? ;)

    ... was ich auf Korsika positiv sehe ist das es durchaus einen großen Personenkreis gibt welcher die Insel (zumindest versuchen will) vor solchen Auswüchsen schützen will.

    Es ist z.b. bekannt das in der Bucht von Villata.... im Bereich des "alten Villata" (ein wunderschönes Fleckchen) ...eine Ferienanlage/Appartmenthäuser projektiert werden sollten. Dieses Projekt wurde bis dato abgelehnt. Dies auch wegen Widerstand aus der Bevölkerung (???) bzw. Umwelt-/Naturschutzgruppierungen/-gründen.

    Okay ... im Detail weiß ich da nichts . Nur so vom Hörensagen aus verschiedenen Quellen. Das geplante Bauprojekt ist/war jedoch Fakt.

  • Hallo zusammen!

    Dieses Thema halte ich für sehr wichtig.

    Verwechselt werden darf nur nicht das Bedürfnis mancher Menschen (Urlauber) mit der Gier mancher Leute vor Ort oder an den Schreibtischen woanders.

    Natürlich gibt es Menschen, die den Wunsch haben, sich absolut passiv im Urlaub bedienen zu lassen und sich, aus welchen Gründen auch immer, einfach nur "hinzulegen". Ich verurteile das nicht.

    Ganz klar erwarte ich nicht, dass sich jeder mit dem Land auseinandersetzt, in dem er sich "ausruhen" möchte.

    OK, genau das sehe ich allerdings als Kern der globalen Negativentwicklung an, ich meine die Tendenz zur ignoranten Passivität (super Formulierung?). Ebenso nachdenklich macht mich die zunehmende Akzeptanz eben dieser Ignoranz.

    Frage: Warum muss man akzeptieren, dass überall die selben Fehler begangen werden, nur weil es anscheinend manch wenigen Leuten Geld in die Tasche spült? Hat Korsika nicht die einmalige Chance, zukunftsweisend und nachhaltig zu handeln und sich dem "Hauptsache-es-bringt-schnell-Kohle-Trend" entgegenzustellen? Immer wieder kommt das Argument "Ja, aber man muss doch die ansässigen Korsen verstehen!". Ich sage: Nein, muss man nicht! Genau dort gibt es nämlich auch jede Menge geldgierige und korrupte Menschen, die nicht nachhaltig und vernünftig denken.

    Immer die Floskel "Arbeitsplätze...Wohlstand für die Einwohner... blablabla" anzuwenden, ist mir zu engstirnig.


    Wisst ihr, einerseits diskutieren wir hier besserwisserisch und bringen andererseits aber unsere Lebensmittel aus Deutschland mit, weils billiger ist.

    Ich persönlich kann mich absolut nicht mit dem All-inclusiv-Tourismus identifizieren, muss aber zumindest tolerieren, dass es immer mehr Menschen gibt, die nicht in der Lage und willens sind, sich weniger ignorant zu erholen.

    Tolerieren heißt bei mir aber nicht Akzeptieren! :winking2:


    Mir ist klar, dass man die Entwicklung nicht mehr aufhalten kann, man sollte aber zumindest überprüfen, ob man nicht ein wesentlicher Teil dieses Prozesses ist.

    Genau das, was grad hier im Forum passiert, nämlich die konstruktive Auseinandersetzung mit diesem Thema, ist eine Möglichkeit, einen wichtigen Beitrag zu leisten, um Korsika irgendwie noch lange vor diesem Irrsinn zu bewahren. Ich bin allerdings wenig optimistisch. Ähäm...


    Grüße soweit

    wolfgang

  • Wer nimmt eigentlich Lebensmittel mit in den Urlaub außer der Wegzehrung? Ok, nach Korsika nehmen wir noch unseren italienischen Espresso mit. Aber ansonsten nehmen wir eher Lebensmittel mit nach Deutschland, wenn auch vorzugsweise aus Italien.


    Natürlich sollte man kritisch mit den Auswirkungen von Tourismus umgehen und wir kommen nach Korsika, weil dort eben noch viel "Ursprüngliches" zu finden ist. Ich war auf Mallorca von so einigen "Kolonien" mit Hochhaus-Hotels schockiert. Port d'Alcudia fällt mir da ein. So etwas wird es auf Korsika hoffentlich nie geben.

  • Pablo , ich grüße Dich!

    Früher habe ich für fast den ganzen Urlaub Essen mitgenommmen. w§§§l/ng Ich war der Meinung, dass das nötig sei. Als Camper mit Zelt und ohne Kohle war das auch erklärbar, zumal Supermärkte damals rar waren. Mittlerweile ist das Humbug, denn es gibt ja nun wirklich ALLES auf Korsika und sogar mehr als bei uns in der Gegend! Wir nehmen immer für den ersten Tag Sachen mit und kaufen da dann groß ein.

    Das mit dem Mitbringen sollen wir hier nicht so wichtig nehmen, denn der Kern des Problems (Thema des Threads) ist ein anderer.

    Zum Beispiel: Wem dient die "Kolonialisierung", von welcher ja gesprochen wird, eigentlich? Es geht gar nicht um die All-Inclusive-Gefängnisse" ansich sondern um die Scheinheiligkeit der Gäste. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und beziehe es auch auf eine besorgniserregende politische Entwicklung und eine ganz klar festzustellende emotionale Gleichgültigkeit bei jungen Menschen, die immer passiver und realitätsignoranter werden und gar nicht mehr den Irrsinn (Preisentwicklung, Schadstoffausstoß Flüge/Fähren, Monopolisierung zugunsten Großkonzernen, ...) hinterfragen.


    Natürlich können wir froh sein, dass es in Korsika NOCH nicht überhand genommen hat, deshalb fahren wir ja auch hin. Trotzdem muss man diese Diskussion immer wieder führen, um zumindest seine Stimme zu erheben. :blah:

    Anmerkung: Ich fahre auch mit der Stinkfähre und kaufe auch günstige Dinge im Knebel-Supermarkt ein, kaufe aber ebenso regional Obst, Wurst und Gemüse.


    wolfgang grüßt (heute gibt es langsam zubereitete Erbsensuppe, ein Hammer!)


  • Hallo wolfgang


    Wir sind uns da weitestgehend sehr einig. Die Entwicklung in unserer Gesellschaft sehe ich auch kritisch. Die jungen Leute möchte ich da gar nicht in den Vordergrund rücken. Sie bekommen das vorgelebt und vor allem werden sie so erzogen. Schon den Kindern wird heute beigebracht, dass sie in der Schule funktionieren müssen, dem Erfolg dort im Zweifel alles untergeordnet wird und das geht dann in Studium und Job weiter. So bekommt man gut funktionierende Arbeitskräfte. Ob es dann auch intelligente Menschen werden, ist oft Glücksache.


    In der Freizeit/ in den Vereinen engagieren sich demzufolge wesentlich weniger junge Menschen als früher. Aber auch hier wird das von den älteren Generationen vorgelebt. Ich bin selbst 1. Vorsitzender eines Vereins. Das Amt bringt inzwischen wesentlich mehr Frustpotential mit als in früheren Jahren. Oft steht man ziemlich alleine da bzw. kann man sich nur auf eine handvoll Leute verlassen. Das ist im Prinzip überall das Gleiche. Ich nenne es mal "Fitnessstudio-Mentalität";)party:


    Aufs Ganze übertragen könnte man sagen, dass Vieles hingenommen wird und das den Leuten auch egal ist, solange man selbst gut wegkommt.


    Niemand ist ein Heiliger und natürlich schaut man, wo man bleibt, aber das ist meines Erachtens inzwischen viel zu ausgeprägt.


    Hilft alles nichts. Es muss weiter gehen und irgendwann werden die Leute merken, dass etwas fehlt. Hoffentlich ist ihnen das dann nicht egal!


    P.S. Wir haben früher auch die Kühltaschen vollgepackt. Mein Vater hat eine Metzgerei und da wurde alles mitgenommen, was ging. Ich habe auch lange gebraucht, davon wegzukommen;-) Heute beschränke ich mich auf etwas Presskopf und Pfefferbeißer. Letztere sind als Wegzehrung für die Wanderungen optimal:)party:

  • Mm... bei uns im Verein funktioniert es eigentlich schon noch. Recht gemischtes Team von 14- 80 ist alles dabei.


    Wir kaufen eher auf Korsika ein schleppen es nach Hause. Am Liebsten am Markt, wenn wir dazu kommen.

    Das einzige, was ich von hier mitnehmen würde, ist fränkisches Bier. Sonst gibt' auf Korsika doch wesentlich Besseres als in Deutschland. Die Franzosen sind z.B. in Sachen Palmöl weiter als wir und das ist mir schon vor 10 Jahren aufgefallen.

  • Ich kenne schwäbische Landsleute, die könnten mit dem Inhalt ihrer Camper bzw. Caravans nach Fahrtantritt mehrmonatige Hüngersnote überstehen.


    Ex-Finanzminister Schäuble: "Einen Euro, den du hascht, den hascht du ja, dass du ihn hascht und nicht, dass du ihn nicht mehr hascht." Geschweige denn, dass ihn irgendein Franzose hat.


    Gruß

    Bobby

  • Vielleicht könnten diese schäbischen Landleute den nun unfreiwilligen Veganern etwas abgeben! Gerade im corsematin erschienen, heute:


    De la charcuterie corse contaminée par la bactérie Listeria monocytogenes

    Des produits corses contaminés par la bactérie Listeria monocytogenes dans les centres commerciaux E. Leclerc de Ghisonaccia et de Porto-Vecchio, ainsi que dans des épiceries et autres magasins de ...


    Wahrscheinlich ist alles noch viel schlimmer wie von mir schon geschildert , bin wirklich kein Pessimist, aber was hier in unserer Gesellschaft z.Zt. abgeht .......

  • Nun ja, solches betrifft ja nicht nur Korsika. Ist ja bei uns in D auch häufiger der Fall.


    Vielleicht das Positive daraus: Die Lebensmittelkontrolle scheint auch auf Korsika zu funktionieren.


    "Problemwürste " waren ja in der Vergangenheit die Figatellu.


    Aber Du hast recht: Oft sind gerade die großen Firmen betroffen aus denen mit Keimen oder sonstigen belastete Waren stammen.

  • Man muss den Pablo verstehen, wir hatten auch eine Metzgerei und so ganz ohne Vadderns Würste zu verreisen war schlichtweg unmöglich. Von der anderen Sache, von wegen man traut nur dem was man selber zubereitet erzähle ich nichts. Gerauchtes war beim Zelten ohne Kühltruhe immer ein Muss.

    Gerade auf dem Mopped musste auf Platz geachtet werden und führte zwangsläufig zum täglichen Einkauf. Aber wie gesagt, die Paprikabratwurst mit Knoblauch half zu freien Sitzplätzen auf der Fähre, Pablo danke fürs Teilen einer solchen Erinnerung.

    Liebe Grüsse vom Hans