Spikes, Grödeln, Steigeisen u.a.m.

  • Hallo ihr Winterliebenden,


    z.B. im Beitrag #6 in GR20: Welche Rucksacktypen empfehlt ihr? wurden einige Wortwahlen genutzt - die ich für nicht statisch/überzeugend halte! :hmm:


    Ich möchte hier daher einen gemeinsamen Wortnutzen vorschlagen für die Diskussionen zum Thema in diesem Thread.

    Ihr kommentiert bitte gerne!


    - Spikes:

    darunter verstehe ich persönlich eine Gehhilfe mit 2-4 Eisnägeln im Vorderfußbereich und 1-2 Eisnägeln im Fersenbereich zum Überziehen über jedweden Schuh um evtl. vereiste Gehwege unbeschadet zu nutzen


    - Grödeln, Krödeln etc.

    sind für mich über einen jeden Schuh überziehbare Fortbewegungshilfen für den Fall von stark vereistem bzw. leicht verschneitem oder sonstwie schwierigen Untergrund mit 4-8 Eisnägeln (+ evtl. kleiner Kette) im Vorderfußbereich und 2-6 Eisnägeln im Fersenbereich incl. evtl. kleiner Kette dort zur Spurführung.

    Die Benennung einer solchen Fortbewegungshilfe ist meiner persönlichen Wahrnehmung nach sehr stark regional abhängig und daher gerne verwirrend. (*)


    - Steigeisen

    das sind für meine Begriffe Hilfsmittel die im hochalpinen Bereich das Vorwärtskommen im stark vereisten Bereich ermöglichen können. Es muss dazu ein steigeisen-geeigneter Schuh genutzt werden! Meist also ein Schuh mit alpin-tauglicher Sohle!


    - Schneeschuhe

    Schneeschuhe erleichtern - je nach Bauart - das Vorankommen im verschneiten Gelände. Im flachen Gelände sind evtl. die eher peitschenförmigen flachen Typen von Vorteil, für Touren ins Gebirge sind die Typen mit passenden groben Stollen am Grund (vertikale Stabilität) incl. der Harscheisen (seitliche Stabilität, Querungen bis 40% möglich) im Angebot.

    Der Vorteil: sehr leichtes Anlegen der Schneeschuhe an dazu gerne passendes Winterschuhwerk.


    Ich hoffe ich habe hier eine gewisse Klarheit in der Wortwahl eingebracht und bin gespannt auf eure Kommentare.


    LG Ernest


    (*)  Eine Erfahrung meinerseits: bei einer Umgehung einer Restlawine über einen steilen Grashang hatten die regulären Bergschuhe keinerlei Halt - mit Krödeln und ihren Ketten im Fersenbereich war das an dem Hang nahe Kandersteg kein Problem! :thumbupparty:

  • Guten Morgen,


    nachdem mich die Erklärung von Ernest bzgl. Grödel und Spikes doch etwas irritiert hat, habe ich im Internet nochmals recherchiert, da ja sein hätte können, dass mich meine langjährige Erfahrung täuscht.


    @ Ernest, es scheint, dass mich der Eindruck, dass du Grödel und Spikes verwechselst, nicht täuscht. Siehe: https://www.auf-den-berg.de/


    Grundsätzlich denke ich, es ist egal, ob Grödel oder Spikes, man wird im Fachgeschäft sowieso dementsprechend richtig beraten, wichtig ist, dass man weiß, was man braucht.. heutzutage werden, so wie es auf mich den Eindruck macht, die beiden Namen in einen Topf geschmissen.. also lasst euch davon nicht irritieren..


    Den Hinweis auf steigeisenbedingte Schuhe, falls ich Steigeisen verwende, kann ich nur unterstreichen.


    Lg,

    Margarete

    2 Mal editiert, zuletzt von Teemitrum () aus folgendem Grund: Link falsch zitiert, formal inkorrekte Formulierung des Links korrigiert

  • da ist mir die Margarete zuvorgekommen...


    Grödeln sind Gehhilfen mit 4-6 ausgeprägten Zacken, im Grunde genommen "abgespeckte" Steigeisen.

    Das andere "Spikes", sind eine Art "Schneeketten" für Schuhe, hilfreich durchaus in der Stadt auf (hart-)verschneiten oder vereisten Bürgersteigen, im Gebirge haben die aber nix zu suchen...

    Glaub mir, als ehemaliger Mann vom Fach weiß ich wovon ich rede....


    Was ich für hart verfirnte Hänge und morgendliche Schneefelder -auch für Korsika- empfehlen würde sind leichte 8-zackige Steigeisen mit Riemen- oder Y-Bindung, die auch an weniger festen Schuhen zur Not (!!!) zum Einsatz kommen können. Für die inzwischen achso beliebten "Trekkinghalbschuhe" taugen die natürlich nicht... wobei ich damit mal schon gar nicht im Schnee unterwegs sein möchte !!


    Gruss

    Thomas


    Anekdote am Rande:

    habe letztes Jahr auf einer meiner geführten Touren ein Pärchen auf dem GR getroffen, beide mit gebraucht (!!!) gekauften Uralt-Halbschuhen unterwegs. Bei ihr hatte sich an beiden Schuhen die Sohle vorne abgelöst. Ihr Typ hat sie mit Tape wieder befestigt und meinte, sie wprde damit schon seit drei Tagen laufen. Meine Empfehlung, doch nach Corte zu fahren um sich dort neue Schuhe zu besorgen, tat er mit der Bemerkung ab, daß das so schon auch noch den Nordteil des GR aushalten würde !!! Da fehlen einem doch die Worte....

  • Die sogenannten Grödel hab ich im letzten November beim Aufstieg zum Blaueisgletscher und zum Watzmannhaus benutzt - gekannt hatte ich sie bis dahin noch nicht. Ich hatte sie vom Vater meiner Wirtin in Ramsau bekommen, für den Fall, dass die Wege vereist sind. In beiden Fällen haben sie mir gute Dienste geleistet. Allerdings hab ich den Gebrauch nicht ausgereizt, da ab der Blaueishütte der Schnee zu tief und verharscht für den Hund -und wahrscheinlich für mich auch - war und auf halber Strecke zwischen Falzalm und Watzmannhaus der Hund auf den überfrorenen Stufen keinen richtigen Halt mehr fand. Die Grödel - so nante sie auch mein edler Spender - sahen in etwa so aus. Den Hersteller weiß ich allerdings nicht mehr.

    Meine Schuhe (D..stein Sonnblick) haben nicht drunter gelitten, obwohl sie nicht mal bedingt steigeisenfest sind, allerdings hab ich sie auch nicht unnötig lang angezogen.

    Bei ihr hatte sich an beiden Schuhen die Sohle vorne abgelöst. Ihr Typ hat sie mit Tape wieder befestigt


    er Bemerkung ab, daß das so schon auch noch den Nordteil des GR aushalten würde !!! Da fehlen einem doch die Worte....

    Echt unglaublich, da kann man nur hoffen, dass es keine ernsteren Konsequenzen hatte.


    VG

    Mario

  • @ Ernest, es scheint, dass mich der Eindruck, dass du Grödel und Spikes verwechselst, nicht täuscht. Siehe: https://www.auf-den-berg.de/

    Hallo Margarete ,


    danke für Deinen Kommentar!


    Aber auch nach dem ich Deinen Link in eine im Web für unser Forum übliche korrekte Zitierung überführt habe sehe ich in dem verlinkten Beitrag sehr erbauliche Texte + Bilder - aber leider nicht direkt die von Dir angesprochene Unterscheidung zum Thema! Kannst Du mir da weiterhelfen? !?


    Danke + viele Grüße

    Ernest


    PS: welchen Browser in welcher Version verwendest Du?

    PS2:

    nachdem mich die Erklärung von Ernest bzgl. Grödel und Spikes doch etwas irritiert hat, habe ich im Internet nochmals recherchiert, da ja sein hätte können, dass mich meine langjährige Erfahrung täuscht.

    Genau diese im Web o.g. leider gerne weite Vermischung wollte ich hier im Thread abklären ... wohl erfolglos.

  • Hall0,

    ich hab mal einen Link angegeben zu dem, was man seit Jahrzehnten unter Grödeln versteht:

    https://images.app.goo.gl/vzz59nhzxZXzj2nh7


    Genau wird dies auch in Wikipedia beschrieben: https://de.wikipedia.org/wiki/Steigeisen


    Salewa ein führender Bergausrüster, es gibt die Firma seit 1935. Heute sitzt sie in Bozen.


    Mir fällt zunehmend auf, dass Firmen und auch andere das Rad neu erfinden, d.h. sie kapern einen uralten Begriffen und verkaufen dann unter diesem Begriff etwas, was mit dem ursprünglichen Produkt wenig zu tun hat. Dazu kommt die Internetgläubigkeit der Kundschaft.

    Mir ist dies auch schon im Beitrag über die Höhenangaben in Korsika aufgefallen. Man kauft sich keine IGN-Karte, ja kennt die nicht einmal, sondern googelt und arbeitet dann mit irgendeinem Zeugs, das man für gut hält, weil man nichts anderes kennt.


    Zur den Grödeln:


    Sie werden in den Bergen schon ewig verwendet. Man klemmt sie mit den Riemen an die Schuhsohle zwischen Vordersohle und Absatz.

    Beim Gehen muss man den Schuh immer mit der ganzen Sohle aufsetzen, um Halt zu finden. Sie sind ein Notbehelf, dafür aber leicht und auch mit leichteren Bergschuhen zu verwenden.


    Gruß

    Hans

  • Mir fällt zunehmend auf, dass Firmen und auch andere das Rad neu erfinden, d.h. sie kapern einen uralten Begriffen und verkaufen dann unter diesem Begriff etwas, was mit dem ursprünglichen Produkt wenig zu tun hat. Dazu kommt die Internetgläubigkeit der Kundschaft.

    Mir ist dies auch schon im Beitrag über die Höhenangaben in Korsika aufgefallen. Man kauft sich keine IGN-Karte, ja kennt die nicht einmal, sondern googelt und arbeitet dann mit irgendeinem Zeugs, das man für gut hält, weil man nichts anderes kennt.

    Hallo lieber WHans Hans,


    vielen Dank dank für Deine wie gewohnt inhaltlich gute Unterstützung zum Thema hier im Forum!

    Auch wenn sie mich von meinem Anliegen hier im Thread hin zu einer möglichst einheitlichen Benennung von schuhgebundenen Bewegungshilfen vollkommen desilliusioniert hat ... :hail:

    Leben wir also mit der Realität der Vielfalt! :thumbupparty:


    LG Ernest

  • Lieber Ernest, nicht verzweifeln! :)party:


    Es ist doch ganz einfach:


    Steigeisen und Grödeln haben massive Zacken und eignen sich daher für das Gebirge.

    Steigeisen haben 8-12, Grödeln 4-8 Zacken.

    Grödeln werden unter dem Mittelfuß getragen (4-Zacker) oder unter Ballen und Hacke, sie haben aber keine Frontalzacken vorne.

    Die Bindung ist primitiv und nicht dazu geeignet, Scher- oder Hebelkräfte aufzunehmen, sie halten also nur wenn man sie von oben in den Untergrund tritt.

    Damit sind Grödeln was für mäßig steiles Gelände und Steigeisen halt auch für den Rest.


    Alles, was nur Spikes oder "Nägel" hat, bitte allenfalls am überfrorenen Gehsteig verwenden.


    Im übrigen kann ich WHans nur zustimmen -- schönes Beispiel auch mit der IGN-Karte!

  • Es gibt noch einen kleinen Unterschied zwischen Grödeln und Spikes.

    Grödeln benötigen festes Schuhwerk mit fester Sohle.

    Spikes sind quasi Socken die man über die Schuhe zieht ... festes Schuhwerk brauchs nicht unbedingt.

    Man könnte bei Glatteisen im Grunde mit Hausschuhen und darüber die Spikes zum Brötchenholen zum Bäcker um die Ecke marschieren :rollparty::)party:.

  • Hallo,


    ein Danke an euch alle, die ihr hier auch von eurem Wissen über Grödeln, Spikes und Steigeisen schreibt!!!


    Ich denke, es gibt doch einige, die zu wenig Erfahrung haben, mit dem Gehen über Schnee- u. Eisfelder! Vielleicht hilft es ja, dass diese noch sicherer unterwegs sind. Wobei ich, was das Gehen mit Steigeisen (also keine Spiks und Grödel) anbelangt, hinweisen möchte, dass es sinnvoll ist, dies vorher geübt zu haben, um im Ernstfall sicher unterwegs zu sein.



    lg,

    Margarete

  • warum ist es wichtig, welchen Browser ich verwende?

    Hallo Margarete,


    je nach Browser können Links evtl. unterschiedlich interpretiert werden.

    Ich wollte mit dieser Frage nur einen evtl. durch die Brille meines Browsers FF (unter Win7 64) erzeugten Fehler ausschließen.

    Nachdem ich den Link ja umformatiert habe ist die Browser-Anfrage nicht mehr wirklich wichtig ...


    LG Ernest

  • Es gibt noch einen kleinen Unterschied zwischen Grödeln und Spikes.

    Grödeln benötigen festes Schuhwerk mit fester Sohle.

    Spikes sind quasi Socken die man über die Schuhe zieht ... festes Schuhwerk brauchs nicht unbedingt.

    Hallo Guenter Günter,


    danke für Deinen Beitrag! Für mich klärt sich das jetzt in dieser Form:

    es gibt einen grundsätzlichen Unterschied im Verständnis "Grödeln" zwischen "Mittelgebirge" und "alpin"!:klatsch1:

    Das ist wohl der Knackpunkt der unterschiedlichen Verständnisse ...

    - Im Schwarzwald ziehst du Grödeln an wenn du einen verschneiten, leicht vereisten Pfad oder einen schwierigen Hang vor dir hast - also die Version mit Eisnägeln und 1-2 Kettenstückchen. Stülpst sie über auf normale Wanderschuh (oder besser) wg. "Halt". Entspricht daher eher einer besseren Version von "Spikes" - die eben nur bis hin zum Bäcker taugen.

    - In höherem Gelände ist dann mehr Grip nötig, daher dann auch mit "Krallen" und Montage auf Schuh mit fester Sohle.

    Hatte ich noch nie benötigt da ich in diesem Gelände bisher immer mit alpintauglichen Schneeschuhen unterwegs war.


    Danke für die Erhellung + LG

    Ernest