Januar 2022: fünfttrockenster Monat seit 1950

  • Hallo zusammen,


    lt. einem Bericht im CM ist der Januar dieses Jahres nach Angaben von Météo France der fünfttrockenste Monat seit 1950. Es wurden lediglich vier Regentage mit insgesamt 27 mm Niederschlag gemessen (zum Vergleich: Januar 2021: 165 mm). Bastia verzeichnet einen Rekord von 192 Sonnenstunden, das gab es seit 1950 noch nie. Auch die Temperaturen lagen etwas höher als gewöhnlich.


    Landwirte befürchten bereits Auswirkungen für den Sommer. Schon jetzt würde so viel wie normalerweise im Hochsommer bewässert, da die Böden so trocken seien. Normalerweise füllt sich das Grundwasser in der Zeit von September bis März, das Defizit liegt dieses Jahr in der Balagne bei 40 bis 60 %, Ajaccio liegt bei einem Minus von 40 %, Bastia 33 %, Corte 23 %. Lediglich in der Plaine Orientale gibt es einen Überschuss von 10 bis 23 %.


    Ein Gemüsebauer bemängelt, daß niemand auf die Klimaforscher höre und man weder die Art, zu leben, noch die Art, anzubauen ändere. Irgendwann würde man aus allen Wolken fallen, wenn die Dürren noch intensiver würden. Er fordert ein komplettes Überdenken der Art und Weise wie die Landwirtschaft betrieben wird.


    Météo France betrachtet die Lage noch gelassen, noch seien keine Rückschlüsse auf das Frühjahr oder den Sommer zu ziehen.


    Grüße

    Georg

  • ...dafür aber auch der sonnigste Januar ebenfalls seit 1950.


    wobei die anhaltende Trockenheit wirklich beunruhigend ist. Und im Februar geht es ja bislang genauso weiter, selbst wir hier oben müssen unseren Garten von Zeit zu Zeit giessen....

    Auch wenn ich von uns aus Richtung Berge schaue, kann ich die Schneeflecken fast schon suchen. Und auch der Schneemangel kann im weiteren Jahresverlauf das Dürreproblem verschärfen. Immerhin kündigt meteofrance für kommene Woche ein bißchen Niederschlag an.

    In den letzten Jahren hat es dann später von März bis Mai teilweise extrem viel geregnet. Auch wenn dieser Niederschlag eigentlich zu spät kommt, hat er immerhin geholfen das Defizit im Rahmen zu halten.

  • Schorschi

    Hallo Georg,

    das klingt aber nicht gut. Ich hätte ja schon gedacht, dass zumindest im Herbst/Winter die Niederschläge halbwegs so ergiebig sind, dass sich das Grundwasser füllt. Stammen diese Defizite noch aus den Vorjahren? Ich hatte im letzten Jahr nicht den Eindruck, dass es arg trocken war, bin ja selbst im Juni unterhalb des Monte Renoso noch durch ein Schneefeld gestapft. Welchen Einfluss hat denn die Bodenbeschaffenheit Korsikas auf das Versickerungs- und Abflussverhalten von Niederschlägen. Da sollte doch auf Grund der geringen Versiegelung eher Wasser in der Fläche versickern, oder läuft das direkt aus dem Gebirge ab?

    Wir haben in Deutschland sicher in den meisten Regionen aus den letzten trockenen und heißen Jahren immer noch ein Grundwasserdefizit.

    Für Sachsen heißt das trotz des halbwegs normal nassen Jahres 2021, dass über die Hälfte der Grundwassermessstellen ein durchschnittliches Defizit von ~41cm zum jahreszeitlichen Normalstand haben. Aber es wollte ja keiner glauben, als Fachleute davon sprachen, dass in manchen Regionen Sachsens mindstens eine Jahresniederschlagsmenge zum Ausgleichen des Defizites nötig wäre. Und wir machen beim Niederschlagsmanagment munter so weiter wie bisher, Flächen versiegeln und das Niederschlagswasser aus der Fläche aufwendig ableiten statt versickern.

    Giacchetto

    Hallo Thomas,

    gibt es denn da auf Korsika keine Überlegungen, die offensichtlich immer unberechenbarer auftretenden Niederschläge außer in den bekannten Stauseen zu speichern? Die Insel ist ja logischerweise bei der Verteilung von Wasser schon durch ihre Lage limitiert.


    VG

    Mario

  • Für die Balagne sehen die Vorhersagen für dieses Jahr düster aus. Es ist im Winter einfach zu wenig Regen bzw. Schnee in den Bergen gefallen. Der Verdunstungsgrad liegt doppelt so hoch, wie die Menge der Niederschläge, man rechnet schon mit einer Trockeneit wie im Jahr 2003.


    In den letzten 40 Jahren sei die Durchschnittstemperatur von 15 auf 17 Grad gestiegen, mittlerweile habe man pro Jahr 140 Sommertage (25 °C und mehr) bzw. 60 Tage mit Tagestemperaturen über 30 °C.


    https://www.corsematin.com/art…ietante-en-balagne-123725


    Grüße

    Georg

  • interessant -und alarmierend- zu diesem Thema heute ein Bericht im CM:

    https://www.corsematin.com/art…ino-et-de-rogliano-124021


    die Bürgermeister der Gemeinden Rogliano und Tomino am Cap Corse wollen einen Zuschuß für die Installation einer Meerwasser-Entsalzungsanlage beantragen. Seit November hat es keine nennenswerten Niederschläge mehr gegeben, seit Januar hat es gerade einmal für eineinhalb Stunden ein bißchen getröpfelt... die Hauptquelle, die das Rückhaltebecken speist, ist trocken und es verbleiben gerade noch etwa 12000 m3 Wasser in diesem Becken. Die gewünschte Entsalzungsanlage sollte in der Lage sein, etwa 750 m3 am Trink- und Gießwasser zu liefern. Der Spitzenbedarf liegt in den touristischen Hauptmonaten bei etwa 1400 m3... !!


    wer es genauer nachlesen möchte kann sich diesen Text ja gerne selber von einem der beliebten Prograqmme übersetzen lassen.

  • Giacchetto

    Hallo Thomas,

    ohne die genauen Zahlen zu kennen oder recherchiert zu haben - jedoch in all den Jahren, welche ich nach Korsika reise, musste ich feststellen, dass es Jahr für immer trockener wurde...

    es ist wohl nicht mehr zu übersehen, dass auch auf der Insel der Klimawandel seine Spuren hinterlässt ...

    vor allem wenn man die Trockenphasen mit den zum Teil extremen Niederschlägen (welche nie flächendeckend auf der ganzen Insel niederprasseln) als Vergleich heran zieht...

    ich wünsche den Bewohnern und den Besuchern der Insel immer genügend vom kalten (nicht salzigen) Nass...


    Gruß

    der Mannae

  • Mannae

    vor allem wenn man die Trockenphasen mit den zum Teil extremen Niederschlägen (welche nie flächendeckend auf der ganzen Insel niederprasseln) als Vergleich heran zieht...

    so isses ! Erst regnet es ewig gar nicht, und dann fällt eine Monatsmenge innerhalb weniger Stunden vom Himmel. Ebenso ist es mit dem Schnee.. seitdem wir hier leben hatten wir in unregelmässigen Abständen immer wieder Episoden mit extremen Schneemengen, die letzte war 2018.. da gab es in den letzten Februartagen locker einen Meter Neuschnee bei uns. Am extremsten war es 2005, da lag bei uns ab Mitte Januar durchgängig Schnee bis Ende März, es war für hiesige Verhältnisse bitterkalt (-10o) und Anfäng März kam noch mal 1m Neuschnee dazu.

    Und wenn man mit dem Leuten im Dorf redet, dann war früher ja sowieso alles besser... da war ein Winter noch ein Winter und der Sommer ein Sommer... und im Frühjahr hat es gerade genau soviel geregnet wie es nötig war... ::,,II8 aber es ist tatsächlich auffällig, wieviel Extremwetterlagen es inzwischen gibt. Ich habe schon das Gefühl, daß es vor zwanzig Jahren (als wir hierher gezogen sind) noch anders war.

  • Hallo Thomas Giacchetto,


    es gab doch diverse Diskussionen über den Bau weiterer Staubecken, kennst Du da den aktuellen Stand?


    Ob das wohl so schlau ist mit der Meerwasserentsalzung, so lange der Strom per Heizöl erzeugt wird? Also wenn man sowas ins Gespräch bringt, dann aber auch bitte gleich die Solarfarm zur Erzeugung des benötigten Stroms. Ja, das Klima ändert sich und man muss reagieren. Aber vielleicht auch am Verbrauch ansetzen und nicht einfach weiter wie bisher? Sind grüne Rasen und mit Trinkwasser gefüllte Pools en masse da noch zu rechtfertigen? Wie muss die Landwirtschaft geändert werden, um sich den neuen Herausforderungen anzupassen? Und ich weiß nicht, wie viele aufgegebene Zisternen ich kenne... Wie wäre es mit einem Förderprogramm zur Reaktivierung der selbigen? Kleinvieh macht auch Mist. Ich finde, der Ruf nach der Entsalzungsanlage ist ein bißchen arg kurz gedacht.


    Grüße

    Georg

  • Schorschi

    die Diskussion über weitere Staubecken gibt's immer wieder, was konkretes ist mir da aber nicht bekannt. Was ich auch immer wieder höre, ist der Wunsch nach lokalen, kleineren Stau-/Rückhaltebecken, die dann nur einzelne oder wenige communes versorgen könnten.

    Ob sich schon mal jemand von den Verantwortlichen Gedanken über die Energieversorgung einer Entsalzungssnlage gemacht hat, weiß Ich natürlich nicht. Ich habe diese Information auch nur aus den Medien.

    Zum Thema Verbrauch reduzieren: ein extrem großer Verbraucher ist ganz klar der Tourismus, in der Hochsaison verdoppelt sich der Verbrauch mindestens, da möchte doch jeder mindestens zweimal am Tag duschen.. und man hofft ja jedes Jahr auf noch mehr Touristen. Auch wenn Ich nun so gar kein Freund von den unzähligen Pools bin, aber normalerweise füllt man die nur einmal, trotzdem eine riesige Ressourcen-Verschwendung.

    Landwirtschaft ist auch ein heikles Thema, aber wo da ansetzen? Ich bin da kein Experte...

    Die oftmals maroden Wasserleitungen in und zu den Dörfern sind auch ein Problem, die Verluste unterwegs sind oft auch erheblich. Eeiniges wurde in den letzten Jahren ja schon investiert, aber in vielen Gemeinden haben die Haushalte keinen Wasserzähler und bezahlen höchstens eine niedrige Pauschale. Wenn dann die Wasserrechte an ein kommerzielles Unternehmen (wie Kyrnolia) abgetreten werden und das Wasser plötzlich Geld kostet, dann ist das Gejammer groß.

    Übrigens: alte Zisternen kenne Ich bei uns keine

    • Offizieller Beitrag

    Hallo zusammen,


    bei einer Entsalzungsanlage kommt dank der heute üblichen Umkehrosmose hinten ziemlich brauchbares Wasser raus.

    der Wunsch nach lokalen, kleineren Stau-/Rückhaltebecken

    Bei der Verwendung (alter) Zisternen oder von Rückhaltebecken müsste wahrscheinlich erst eine Aufbereitung nachgeschaltet werden. Zumindest bei Verwendung als Trinkwasser - kostet auch Energie.

    Unser Mario L`Breizh au coeur kann zu beiden Themen sicherlich schlauer kommentieren.


    Meine LG aus Teemitrum

    Ernest


    PS: wir sollten hier keine große Diskussion beginnen, für ihre Insel müssen die Korsen schon selbst sorgen. Sie brauchen bestimmt keine Erkenntnisse oder gar Belehrungen hier aus unserem Forum.

  • Hallo Thomas, Giacchetto,


    ich habe von Dir keine fertigen Lösungen erwartet... ;)party: In der Balagne hat gefühlt jeder zweite (ehemalige) Garten eine Zisterne. Die sollen natürlich nicht für die Trinkwassergewinnung genutzt werden, zum Giessen sollte das Wasser aber gut genug sein.


    Der Energieverbrauch für die Wasseraufbereitung wird tritt dann in den Hintergrund, wenn die benötigte Energie weitgehend CO2-neutral erzeugt wird, denke ich.


    Ernest Teemitrum,


    es geht mir nicht darum, den Korsen "vorzuschreiben", was sie zu tun haben oder nicht. Nein, es geht mir mehr darum, bei so einem Thema nicht entsetzt oder sprachlos dazustehen und sich vielleicht im Kopf noch eine völlig vertrocknete Insel vorzustellen, sondern sich ein Gesamtbild machen zu können: Was sind dIe Probleme, wo liegen die Ursachen, wie können Lösungen aussehen und: was kann ich selber tun?


    Grüße

    Georg

  • Sie brauchen bestimmt keine Erkenntnisse oder gar Belehrungen hier aus unserem Forum

    es geht mir nicht darum, den Korsen "vorzuschreiben", was sie zu tun haben oder nicht

    Teemitrum

    Schorschi


    wenn ich bei uns im Dorf mich so verhalten würde und als deutscher Besserwisser auftreten würde...dann wäre ich keinen Deut besser als die Festlandskorsen (die sich nämlich oft genau so von oben herab gebärden), und ganz schnell wäre es vorbei mit der Freundschaft.

    Das heißt jetzt nicht, daß man nicht diskutieren darf, es ist immer eine Frage "wie" man das macht. Wie schon Asterix feststellen musste, können die Korsen ganz schön schnell beleidigt sein...


    Zum Thema Zisternen: wir "bewirtschaften" etwa 250 bis 300m2 mit Obst und Gemüse. Allein dafür brauche ich im Hochsommer locker 1bis 1,5m3 an Gießwasser - trotz Mulchen und Höhenlage. Und dann sind noch keine Blumen etc gegossen...zum Glück läuft über unser Gelände ein Kanal mit Gießwasser, eine Zisterne müsste da schon ganz schön groß sein.

  • Eigentlich dachte ich, daß ich irgendwo ein paar Fotos von Zisternen hätte. Konnte aber keine finden. Auf dem Gelände, auf dem mein Kumpel rund 10 Jahre gewohnt hat, gab es drei davon. Die große hatte gut 10 x 10 m² bei einer Tiefe von vielleicht 2 Metern (schwer zu sagen, wie tief es da unter dem Schlamm noch nach unten ging). Voll also locker 200 m³. Wurde von einem Bach gespeist, der im Sommer völlig trocken fällt. In der Mitte stand eine Säule, die darauf hindeutet, daß da auch mal eine Bedachung drüber war. Dann noch zwei weitere, eine kleine mit vielleicht 3 x 3 x 3 m³ und eine mittlere, mit vielleicht 5 x 5 x 2 m. Die müssen von Quellen gespeist worden sein bzw. noch gespeist werden (das Wasser nutzt keiner mehr), da keine Verbindung zum Bachlauf vorhanden.


    Mit der Wassermenge ist früher das gesamte Gelände von 1,3 ha versorgt worden, die Wasserleitung kam erst in den 90ern. Auch das Trinkwassser wurde daraus aufbereitet, die Pumpe und der Filter rosten dort noch rum.


    Und wie bereits erwähnt, es geht mir hier nicht um ein "von oben herab" oder Besserwisserei, sondern um die Beleuchtung des Problems von möglichst vielen Seiten. Vielleicht ist das Wasser auch einfach nur zu billig? Leider kommen wir oft erst dann auf die Idee, was zu ändern, wenn's im Geldbeutel weh tut. Das Agrarwasser liegt glaube ich um die 3 Ct/m³.


    Grüße

    Georg

    • Offizieller Beitrag

    wir sollten hier keine große Diskussion beginnen, für ihre Insel müssen die Korsen schon selbst sorgen. Sie brauchen bestimmt keine Erkenntnisse oder gar Belehrungen hier aus unserem Forum.

    Hallo zusammen,


    den o.g. Hinweis hatte ich nur eingefügt weil ich in den letzten 15 Jahren (oder sogar mehr?) unsägliche Diskussionen erlebt habe zum Thema was "die Korsen" denn tun sollten.

    Wie von mir erhofft bzw. erwartet läuft eure Diskussion hier deutlich entspannter als "sellemals" ... :winke:

    Nach wie vor würde mich (gerade deshalb) aber eine technische Einschätzung von Mario @L`Breizh au coeur interessieren.


    Meine LG aus Teemitrum

    Ernest

  • Unser Mario L`Breizh au coeur kann zu beiden Themen sicherlich schlauer kommentieren.

    Hallo Ernest,

    das ist aber schon eine sehr optimistische Vermutung, liegt doch mein berufliches Tätigkeitsfeld mehr in der Reinigung des Mediums. Aber ich will dann mal versuchen, etwas Brauchbares nach meinem Wissensstand beizutragen. ;)party:

    Grundsätzlich hat ja wohl Korsika eher ein Problem mit der Grundlage des Trinkwassers. Mir ist im letzten Jahr aufgefallen, dass an den östlichen Berghängen im Juni in den entsprechenden Höhen noch Schneefelder vorhanden waren, an den westwärts gerichteten Hängen nicht. Auf unserer Wanderung vom Col de Verde zur Bocca D`Oru querten wir - bis auf ein mickriges Rinnsal - nur ausgetrocknete Bäche. Die Strecke zieht sich an der Westseite der Punta Bocca dell `Oro entlang.

    Bei meiner Wanderung von der Skistation Ghisoni über den Grat von Monte Renoso, Punta Orlandino und Monte Torto zu den Pozzis habe ich nur oberhalb des Lac de Bastani und auf der Ostseite des Grates der Punta Scaldasole größere Schneefelder gesehen, einzelne noch oberhalb der Pozzis auf der Bocca della Calle.

    Auf dem Rückweg über den GR 20 auf der Ostseite des Gebirgszuges musste ich einige ziemlich viel Wasser führende Bäche queren. Daraus könnte man jetzt vermuten, dass die Ostseite der Insel durch das langsamere Abschmelzen des Schnees - so vorhanden - immer noch etwas mehr Wasser abbekommt. Wie das weiter südlich oder am Kap aussieht, kann ich natürlich nicht sagen. Da spielen ja auch noch geologische Faktoren wie Versickerungsfähigkeit der Gesteinsarten in den Bergen eine Rolle. Jedenfalls hat Korsika ähnliche Probleme - nur jetzt schon - wie die Alpen sie bekommen mit ihren immer weiter abschmelzenden Gletschern und Schneefeldern, welche ja ebenso für die Wassergewinnung gebraucht werden.

    Mich verwundert etwas, dass zumindest Teile der korsischen Bevölkerung nur geringe pauschale Wassergebühren zahlen. Das mag dort logisch erscheinen, wo etwa die Kommune eine Wasserleitung aus den Bergen gezogen hat und keine oder kaum Kosten für eine Aufbereitung entstehen. Zum Wassersparen lädt das aber nicht ein und entspricht auch nicht der europ. WRRL, welche vorgibt, das kostendeckende (auch Umwelt- und Ressourcenkosten) - und nach dem Verursacherprinzip angemessene Wasserpreise zu erheben, die idealerweise auch noch Anreize zum Wassersparen erbringen.

    In wieweit man alte Zisternen wieder ertüchtigen kann, weiß ich nicht - zumindest als Brauchwasser macht das schon Sinn. Aber wo kämen beim immer akuteren Niederschlagsdefizit vor allem im Winter die Quellen dafür her? Und Oberflächenwasser gibt es ja dann auch weniger. Bei den vielen frei laufenden Tieren würde das als Trinkwasser ohne eine aufwendige Reinigung und Desinfizierung auch nicht in Frage kommen.

    Eine Meerwasserentsalzung macht, wie Schorschi schon richtig sagte, nur mit Strom aus regenerativen Quellen Sinn, da es sehr energieaufwendig ist. Das Wasser muß vor der Entsalzung mehrfach gefiltert und danach remineralisiert werden. Israel erzeugt damit allerdings mittlerweile wohl einen Großteil seines Trinkwassers. Der nächste Aspekt in energetischer Sicht - Korsika ist ein Gebirge im Meer - das an der Küste gewonnene Wasser müsste mit Hochleistungspumpen in Hochbehälter oberhalb der Dörfer gepumpt werden.

    Kurzfristig würde wohl nur die Einsicht zum Wassersparen etwas bringen. Wie wasserintensiv die Landwirtschaft auf Korsika ist, kann ich nicht beurteilen, wage aber zu bezweifeln, dass sie ähnliche Auswirkungen hat, wie in den Gewächshauswüsten Südspaniens.

    Sicher ein großer Wasserverschwender ist der Tourismus, gerade in den Hotels und Ferienanlagen. Dort wird ein Vielfaches an Wasser pro Kopf verbraucht, als normalerweise. Zum massiven Verbrauch tragen u. A. Grünanlagen, Zimmerreinigung und auch Poolanlagen bei. Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit können aus einem Pool mehr als 12l /m² am Tag verdunsten, das ganze Wasser, was am Körper mit "rausgeschleppt" wird nicht eingerechnet.

    Langfristig wird man um einen anderen Umgang mit Niederschlagswasser - gerade was die Versickerung und damit Grundwasserspeicherung - angeht nicht umhin kommen. Ähnliche Überlegungen werden mittlerweile z.B. in Berlin/Brandenburg angestellt, gerade was die Sommerniederschläge anbelangt. Mit den nicht mehr achtlos abgeleiteten Niederschlägen kann man über Verdunstung einen Kühleffekt erzielen und die ohnehin immer weiter sinkenden Grundwasserstände etwas entlasten.

    Das wäre auf Korsika zumindest im Bereich der Städte eine Möglichkeit.

    Aber das ist alles graue Theorie und den entsprechenden Fachleuten bekannt. Entscheident ist, ob dazu der Wille da ist und die Bereitschaft, diese Kosten zu stemmen. Ansonsten "baden" den sorglosen Umgang mit dem kostbaren Nass sicher wieder die Falschen aus.


    VG

    Mario

  • Wenig hilfreich scheint mir grundsätzlich das technische Allmachtsdenken des Menschen, womit gemeint ist, dass der Mensch offensichtlich glaubt, die Natur technisch übertreffen zu können. Nicht irgendwelche Zisternen müssen gefüllt werden, sondern die seit jeher existierenden Grundwasserspeicher müssen sich wieder füllen. Gefüllte Grundwasserspeicher sind im Einklang mit den komplexen Naturvorgängen, stehen aber oft den einezelnen selektiven, meist wirtschaftlich orientierten Interessen des Menschen entgegen.

    Man muss sich einfach klarmachen, dass ein "sinkender Grundwasserspiegel" analog zum sinkenden Füllstand einer Zisterne ist, nur dass eine Zisterne isoliert im Raum steht, während der Grundwasserspeicher im natürlichen Kontakt zum Ökosystem steht.

  • Vielleicht ist das Wasser auch einfach nur zu billig?

    vielleicht für die Agrarwirtschaft. Aber in meiner Gemeinde Linguizzetta kostet 1m3 5,08 € plus die Gebühren für Abwasser!

    Der Preis setzt sich zusammen:

    Potabilisation et distribution de l'eau: 54 % Trinkwasseraufbereitung und Verteilung

    Collecte et dépollution des eaux usée: 42 % Sammeln und reinigen des Abwassers

    Organismes publies 4% Organisation

    natürlich auch noch Steuern


    Damit überlegt man sich gut, ob man den Rasen im Sommer noch sprengen soll!

    Vor 20 Jahren hatte meine kleine Gemeinde Marine de Bravone noch einen eigenen Brunnen, aber das gesamte Wassersystem wurde später von Kyrnolia übernommen. Es wurde nicht erlaubt den Brunnen für Gießwasser weiter offen zu halten.

    Seitens der Wassergesellschaft wird bei jeder Rechnung darauf hingewiesen wie man Wasser sparen kann.



    Grüße

    Helen

  • Mich verwundert etwas, dass zumindest Teile der korsischen Bevölkerung nur geringe pauschale Wassergebühren zahlen. Das mag dort logisch erscheinen, wo etwa die Kommune eine Wasserleitung aus den Bergen gezogen hat und keine oder kaum Kosten für eine Aufbereitung entstehen. Zum Wassersparen lädt das aber nicht ein und entspricht auch nicht der europ. WRRL, welche vorgibt, das kostendeckende (auch Umwelt- und Ressourcenkosten) - und nach dem Verursacherprinzip angemessene Wasserpreise zu erheben, die idealerweise auch noch Anreize zum Wassersparen erbringen.

    I

    Ansonsten "baden" den sorglosen Umgang mit dem kostbaren Nass sicher wieder die Falschen aus.

    Danke für den informativen Beitrag! Aber "pauschale Wassergebühren" gibt es m.W. auf Korsika nicht mehr. In einigen Bergdörfern - auch bei uns - gibt es noch Wasser für einen geringen Betrag für die Bewässerung des Gartens. Das muss man im Mairie beantragen. Meistens sind es Rentner und kinderreiche Familien, die für den Eigenbedarf Gemüse etc. anbauen. Eine soziale Frage und und zudem umweltfreundlicher wie der Import der Waren vom "Continent" ( so ist Suppengemüse aus Belgien im Supermarkt zu finden). Oft werden auch alte Wasserkanäle mit Bergwasser dafür instandgehalten und genutzt. Und es gibt in den Dörfern noch Brunnen, wo man sich kostenlos Wasser abfüllen kann (Die Qualität wird kontrolliert, die Werte veröffentlicht!) .Wir machen das für den täglichen Bedarf, obwohl im Supermarkt palettenweise abgefülltes Wasser in Plastikflaschen steht.

    Unser Wasseranschluss ist natürlich mit einer Wasseruhr versehen und jährlich kommt die Rechnung. Der Kubikmeter kostet ca. doppelt soviel wie in D - und ist trotzdem günstiger wie an der Küste, wo die Wasserversorgung oft privatisiert wurde. Auch eine Ursache für die hohen Preise - nicht nur der Wassermangel.

    Ansonsten kann ich den Beiträgen - Ursache ist der Klimawandel, konkreter die Klimakatastrophe, nur zustimmen. Der Januar ohne Regen war dieses Jahr viel zu warm und ohne Regen. Glücklicherweise gibt es noch richtige Winter - siehe Fotos - war richtig schön und ein Erlebnis!

  • Der Kubikmeter kostet ca. doppelt soviel wie in D - und ist trotzdem günstiger wie an der Küste, wo die Wasserversorgung oft privatisiert wurde. Auch eine Ursache für die hohen Preise - nicht nur der Wassermangel.

    s. mein Beitrag in Corse 5,08 € , bei mir in Deutschland 1,83 € pro m3