Wild zelten - geht das (noch)?

  • Hallo liebes Forum,


    ich möchte mich mit einer Frage an die Spezialisten wenden: Kann man auf Koriska (noch) wild zelten, besonders im Gebirge oder sind diese Zeiten vorbei?


    Ich war bereits mehrere Male auf Korsika. Angefangen 1988 als junge Burschen auf Trekkingtour, da haben wir ausschließlich wild biwakiert. Später dann als Familienpapa haben wir mit dem Womo natürlich Campingplätze genutzt. Zwischendurch gab es mal eine Radreise mit einem Freund, auch da waren wir meistens auf Campingplätzen, aber auch mal in der Pampa.


    Wir wollen nächstes mal wieder auf die Insel. Geplant ist ein Urlaub mit Womo, aber auch ein paar Trekkingtage sollen sein. Bleiben nur die Hütten im Gebirge oder wird freistehen toleriert?


    Danke und Grüße


    Ralf

  • Hallo Ralf,


    uiuiui, Deine Anfrage kann hier einem Stich ins Wespennest gleichkommen, das Thema ist ein heißes Eisen... ;)party:


    Erstmal: wo kein Kläger, da kein Richter. Aber: erlaubt ist es nicht und erwünscht ist es auch nicht und wenn die Stelle nicht ganz so abgelegen sein sollte, ist mit unliebsamem Besuch zu rechnen. Bei vielen Hütten gibt es die Möglichkeit, in der Nähe (s)ein Zelt aufzuschlagen. Du solltest Dich aber jeweils vorher erkundigen, ob dies an den für Dich in Frage kommenden Hütten möglich ist, oft ist der Platz auch beschränkt.


    Grüße

    Georg

  • Hallo Georg,


    danke für die Antwort. Dass man neben diversen Hütten zelten kann, war mir bekannt - hatte mich aber auch nicht klar ausgedrückt. Das wäre natürlich eine Lösung - aber naja, was soll ich sagen, ist halt nicht wirklich zu vergleichen mit einer Nacht in der Einsamkeit.


    Ich möchte hier aber bitte keinen Stress verursachen. Ich dachte eher, ich treffe Gleichgesinnte...

  • Hallo Ralf,


    Dein Ansinnen ist ja durchaus nachvollziehbar. Das Problem ist halt, wenn da einer anfängt und nicht gestoppt wird, dann sind's bald zwei, dann drei und schnell sind welche dabei, die die Vegetation beschädigen und/oder ihren Müll hinterlassen usw. Hier im Forum wirst Du glaube ich wenig bis keine Gleichgesinnten finden. Obwohl, bin mal gespannt, ob sich noch jemand mit abweichender Meinung aus der Deckung traut... (glaub's aber eher nicht).


    Auf Korsika gibt es eine Plakatkampagne: "En Corse, seule la nature est sauvage... pas le camping!" (Auf Korsika ist nur die Natur wild, nicht das Campen!)


    Grüße

    Georg

  • Ich möchte hier aber bitte keinen Stress verursachen. Ich dachte eher, ich treffe Gleichgesinnte...

    Hallo Ralf,


    ich bin auch einer von denen die sich gerne ein stilles Plätzchen suchen für eine Nachtruhe, früher mit VW T3, jetzt mit einem etwas größeren WoMo. Grundsätzlich gilt: wenn Du "frei stehen" möchtest bedarf es einer besonderen Einfühlsamkeit!

    Gerne: Nachfragen bei möglichen Betroffenen! Denn auch die möchten eine stille Nacht haben ... s. Nordländer.


    Für Bergwanderungen (GR20?) gibt es hier im Forum unübersichtlich viele Ratschläge, insbesondere zum Thema ÜN bei Hütten bzw. auf Hüttengelände (incl. aller Restriktionen), grabe einfach nach ...


    Bei meinem ersten Aufenthalt auf der Insel gab es noch "Freiräume" außerhalb des Regionalparks ... ;)party:

    Auf Korsika ist die Situation mittlerweile aber eindeutig geregelt: innerhalb des Regionalparks ist ein Nächtigen nur noch auf dafür vorgesehenen Arealen erlaubt, z.B. auf einigen wenigen Parkplätzen bei Hütten (z.B.: Bonifatu), und dort nur unter präzisen Auflagen.


    Außerhalb des Parks sind die Korsen mittlerweile ziemlich genervt durch das uneinfühlsame Verhalten von WoMos (meist mit Kennzechen IT) und reagieren da gerne mal allergisch auf offizielle oder auch selbsterdachte Einschränkungen - z.B. bei Nächtigen auf "interessanten" Parkplätzen. Beispiel wäre da der Wandereinstieg in Corti unterhalb der Feste zum Tavignanu: der P ist saisonabhängig für WoMos gesperrt in der Nacht ... an solchen Stellen muss man halt einfach damit rechnen dass sich einige wenige der Inselbewohner nicht an die Polizei (ihren liebsten Feind!) wenden sondern illegalerweise selbst "Hand anlegen" wenn ein WoMo die Beschränkung "übersieht" ...


    Es gab immer noch halblegale ÜN-Möglichkeiten, z.B. auf küstennahen Arealen von Fischer-Clubs etc. Dort nahm ich wahr dass diese Vereine zunehmend legale Klarheit geschaffen haben: Zufahrt zum Vereinsgelände nur noch für Mitglieder, davor aber 2-4 Stellplätze für "Jedermann" (auch: WoMo) erlaubt! Beim Frühstück auf einem solchen P grüßten alle Einfahrenden sehr freundlich! :thumbsupparty:

    Der letzte mir von vor jetzt 10 Jahren bekannte als Stellplatz für WoMos erlaubte war der P im Hafen von Solenzara damals ...


    Zusammenfassend würde ich sagen:

    Kann man auf Koriska (noch) wild zelten, besonders im Gebirge oder sind diese Zeiten vorbei?

    Ja, die Zeiten sind vorbei! Und ich bitte Dich dies zu beherzen!! :)party:


    Meine LG aus Teemitrum

    Ernest


    PS: Besonders ignorant und mir verhasst sind die WoMos die meinen der Boden unter ihrem Fahrgestell wäre auch ihr Besitz!

    Und siedeln sich für eine ÜN daher ohne jegliche Selbstanfrage an auf Privatgelände - z.B. von Supermärkten ... :duelo:

  • Hallo Ernest,


    vielen Dank für die ausführliche Antwort auch bzgl. der Wohnmobile.


    Freies stehen mit dem Womo seht nicht auf dem Plan, ich wüsste auch nicht, was das bringen sollte, außer ein paar E gespart und eine unruhige Nacht. Wir sind da vorsichtig, zumal auch Bekannte von uns bereits einmal Nachts betäubt und ausgeraubt wurden, allerdings in Italien. Die möglichen Stellplätze sind oft auch nicht gerade sexy und da ist mir ein schöner Campingplatz doch 1000mal lieber. Davon gibt es auf Korsika ja mehr als genug.


    Es ging tatsächlich nur um die Zeltfrage und die Frage, was die Korsen von Bergwanderern die wildcampen (tatsächlich ist es ja kein Campen, sondern das Schlafen im Zelt für eine Nacht) halten. Aber die Sache scheint ja recht klar zu sein - gar nichts.


    Mir ist selbst nie ganz klar, wo eigentlich das Problem liegt. Ich habe schon an soo vielen Stellen überall in Europa mein Zelt für eine Nacht aufgestellt. Das ist ja kein Eingriff. Am nächsten Morgen wird das Zelt abgebaut und alles ist wie vorher. Ich schätze, es gibt wesentlich weniger richtige Bergwanderer, die ihren Müll liegen lassen, als Tagestouris, die mal für ein paar Stunden in eine Schlucht stolpern und sich dort daneben benehmen.


    Kleine Anekdote noch: In den 80ern war der ältere Bruder meines besten Freudes (er war damals schon über 20 und dadurch total cool) auf Korsika zum Wandern. Er und ein Freund haben in einer unbewirtschafteten Berghütte übernachten oder besser gesagt, sie wollten es. Am Abend kam ungebetener Besuch, vermutlich von der FLNC und die jungen Männer wurden gebeten, doch bitte die Hütte zu verlassen. Sie taten es und kurz darauf wurde das Hüttchen in die Luft gejagt.


    Na gut, das solls dann auch erstmal gewesen sein. Danke für die Infos! Mal sehen, ob es dann überhaupt Korsika werden wird.


    Grüße Ralf

  • Ich selbst habe auch noch nie wildgecampt, aber wunderschöne einsame Nächte in den unbewirtschafteteten aufgebenen Bergerien erleben dürfen. In der Bergerie de Tova im Bavella Gebiet zum Beispiel. An den Osthängen des Monte Cardo gibt es auch zwei oder drei davon. Die Bergerie de Galghello wurde vor kurzem im Blog erwähnt, und noch interessanter sind die Steinhütte bei der Quelle Vetta di Muro...


    Das wäre für mich so ein Mittelding zwischen wildcampen und den Refuge-Hütten. Und ich gehe mal davon aus, das ist nicht illegal, da diese auch in offiziellen Karten auftauchen.


    Viele Grüße,

    Swen

  • @Teemitrum: Ist das wirklich offiziell mit dem Bonifatu-Parkplatz? Kann man das irgendwo nachlesen?

    (Ich hab das mal mit freundlich nachfragen im Refuge und dort Abendbrot essen gemacht, war kein Problem).

  • @Wochenend


    Das Problem vom Wildcamping sind eher die Hinterlassenschaften welche viele leider machen.


    Das Wild rum stehen von den Wohnmobile ist ein Dorn im Auge weil es inzwischen sehr viele sind.


    Wir hatten noch nie Probleme bei unseren "wilden" Stellplätzen mit unseren Offroader da diese seeeeeeeeeeeehr abgelegen sind.

    Wenn wir auf Einheimische trafen war es immer positiv.


    korsika-forum.info/gallery/index.php?image/1391/

  • Hallo Ralf,


    von Wildzelten "wie vor zwanzig Jahren" (da war es auch schon "wild" i.e. verboten) kann man ineinem öffentlichen Forum natürlich nur abraten.

    "Freies Stehen" mit Wohnmobilen und Campern ist sowieso außen vor, das sollte anhand der Beiträge ja schon klar geworden sein.

    Zelten an den Bergerien und Hütten kann nach Absprache möglich sein. Ich kann dann auch keinen Nachteil für die Natur & Umgebung erkennen, sofern man die zugehörigen Einrichtungen nutzt.

    (Zur Erinnerung: Es ist ja sogar explizit legal, die GR20-Hütten außerhalb der Saison als Winterräume zu nutzen; Cornelia Sanitärs gibt es dann allerdings keine, da diese abgeschlossen werden... :ill: )

    Was noch übrig bleibt ist freies Zelten in der Landschaft -- im Parc Naturel klar verboten.


    Persönlich kann ich mir vorstellen, sich für Trekkingtouren auf Biwakieren zu beschränken, die Schlafstatt erst spät abends auf- und früh morgens bereits abzubaue, in der Nebensaison zu touren (wie oft habe ich da den gesamten Tag lang niemanden gesehen oder getroffen) und natürlich keine Spuren zu hinterlassen. Dann noch das elfte Gebot beachten.

    Hat sich so auf Korsika noch nicht ergeben und ohne Kenntnis der Person kann ich es natürlich niemandem empfehlen. Nur so eine Einschätzung.


    BG, Martin

  • Ich hab das mal mit freundlich nachfragen

    Es ist eben auch immer die Frage ob man die Sprache beherrscht.


    Ich habe die Korsen als sehr gastfreundlich kennengelernt - wenn man sie direkt auf französisch anspricht.

    Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass man - vorausgesetzt, man fragt - oft sehr schnell die Erlaubnis bekommt auf einem privaten Grundstück zu übernachten.


    Und darüber hinaus steht dann auch schnell mal die Flasche Ricard oder Rotwein auf dem Tisch.

  • Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass man - vorausgesetzt, man fragt - oft sehr schnell die Erlaubnis bekommt auf einem privaten Grundstück zu übernachten.

    Mmh, stell' ich mir im Gebirge schwierig vor, den Besitzer des Grundstücks ausfindig zu machen...


    Grüße

    Georg

  • Wir Hundebesitzer haben Tütchen

    Wildcamper ????

    Wanderer?

    Grrrrh

    Von allen gibt es Solche und Solche (sonst gäbe es z.B. auch keine Hundehaufen in den Grünflächen). Das Problem dürfte eher sein, dass man oft erst erkennt, mit welcher Sorte von Menschan ma es zu tun hat, wenn es zu spät ist.


    Deshalb dürfte es auch ein positives Indiz für betroffene Korsen sein, wenn man situationsangepasst kommunikativ offen agiert.

  • Ich bin ein ganz klarer Verfechter von "Wildcampen ? NEIN !!!!!

    leerstehende Bergerien, maison forestiere sind allermeistens ok (unter Beachtung aller selbstverständlichen Regeln). Unvermeidliches biwakieren (nicht Campen !!) in abgelegenen Gebieten ohne Infrastruktur undabseits der bekannten und frequentierten Pfade, wird oft toleriert, wenn man Rücksicht auf empfindliche Vegetation (Pozziwiesen, Gewässerufer, Tier- + Pflanzenwelt (wilde und kultivierte) nimmt und sich entsprechend verhält. Allerdings werden die wenigsten Gelegenheitsurlauber solche Ziele überhaupt für sich entdecken.

  • Von allen gibt es Solche und Solche (sonst gäbe es z.B. auch keine Hundehaufen in den Grünflächen).

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    Man muss aber auch wissen, dass es sehr viele Streuner hat die nicht nur im Grünen sondern auch am Strand ihre Haufen machen.

  • Wir Hundebesitzer haben Tütchen

    Wildcamper ????

    Wanderer?

    Grrrrh

    Du würdest erwarten wollen, dass ein Bergwanderer (ob er wild zeltet oder nicht, lassen wir mal dahingestellt) seine Notdurft in eine TÜTE verrichtet?


    Entschuldigung, aber das ist wirklich das Seltsamste, was ich seit langem gehört habe. Wozu soll das gut sein und wohin mit der Tüte und nebenbei ist es auch total unökologisch.